Anna | App-Entwicklung | 1 Kind

Anna | App-Entwicklung | 1 Kind

Der Weg ist das Ziel!

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Anna Figoluschka, 39, verheiratet, Mutter eines achtjährigen Sohnes und Gründerin und Geschäftsführerin der KidPick UG, die im August 2015 die KidPick-App — kinderleicht verabreden in den iOS AppStore gebracht hat.

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Die KidPick-App ist die erste Verabreden-App, die dafür sorgt, dass Verabredungen unkompliziert zustande kommen. Mit der KidPick-App organisieren Eltern die Betreuung ihrer Kinder ebenso wie Abholtermine, Mitfahrgelegenheiten und die Freizeit. Einfach und sicher, in einem persönlichen Netzwerk. Alle aktuellen Kontakte des kinderrelevanten Netzwerkes sind griffbereit, wenn man sie braucht, verabredete Termine für alle Betreffenden synchronisiert und spontan benötigte Hilfe schnell organisiert.

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet und wie hast du das finanziert?

Die Idee ist beim ins-Bett-bringen meines Sohnes nach einem langen Arbeitstag entstanden, an dem einiges schieflief. Ich kam an dem Tag aufgrund verschiedener Hindernisse nicht rechtzeitig aus dem Büro los und traf verspätet in der Kita ein, um meinen Sohn abzuholen. Da dachte ich, es wäre so großartig ein Kommunikationstool zu haben, mit dem man Zugriff auf sein bestehendes persönliches Netzwerk aus anderen Eltern, Großeltern, Babysittern, Partner, Freunden hätte, um solche stressigen Situationen zu vermeiden. Eine Anfrage an alle und -schwupps- hat man, ohne langes Hin-und Her die Antwort, ob spontan jemand einspringen könnte, um den Sohn kurzfristig von der Kita abzuholen.

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Durch Gespräche mit anderen Eltern, wurde klar, daß das nicht nur mir so geht, sondern viele froh wären, wenn der Kommunikationsaufwand, den man betreibt, um Verabredungen zu treffen, geringer wäre. Die Idee ist nach und nach über anderthalb Jahre und während meiner Jobs als Sales Managerin in einer Designagentur und als Account Managerin bei einem IT-Service Provider gereift.

Zwischenzeitlich habe ich zusammen mit einem IT-Projektmanager und Kitapapa an der KidPick-Idee gearbeitet. Wir haben eine Umfrage unter den Eltern der Kita durchgeführt, die dann in einer ersten Beta-Testversion als Web-App mündete. Um die Umsetzung zu finanzieren, starteten wir den Versuch, in ein StartUp Inkubator-Programm aufgenommen zu werden, jedoch ist bei den meisten die Voraussetzung die, dass man bereits eine funktionierende App hat und möglichst schon die kritische Masse von Minimum 1.000 Nutzern erreicht hat! Keine geringe Hürde für berufstätige Eltern, die nebenberuflich an ihrer Unternehmensidee feilen.

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Nachdem wir Aufwand und Nutzen einer Fremdinvestition abgewogen hatten, entschloss ich mich, alleine, mit privatem Geld, also bootstrapped, in die Umsetzung der App-Idee zu starten, habe ein externes Entwicklerteam gefunden und ehemalige Designer-Kollegen, die mich in der Umsetzung unterstützen.

Geholfen hat mir, dass ich schon vor vielen Jahren von der Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen fasziniert war, und mich schrittweise mental darauf vorbereitet habe. Unter Freundinnen hatten wir so etwas wie eine Mastermind-Gruppe, die wir „Kompetenz-Konferenz“ genannt haben. Die Labortermine für Entrepreneurship von Professor Faltin habe ich mehrere Male besucht und als extrem positives und fruchtbares Gründerumfeld empfunden. 2014 war ich Teilnehmerin und unter den Nominierten in der Gründer Garage (jetzt Gründen Live https://www.gruenden-live.de).

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Besonders gut aufgehoben gefühlt habe ich mich auf dem Entrepreneurship Summit, der erste Kongressbesuch meines Lebens, auf dem ich das Gefühl hatte: Wow, die sind ja alle so verrückt wie ich! Rückhalt habe ich von meinem Mann, meinem Sohn! und meinen Eltern, die es schon gewohnt sind, dass ich mich in eine Idee stürze und sie verfolge. Diese ist nicht die erste, sondern meine zweite beziehungsweise dritte Gründung. 2002 habe ich einen Online-T-Shirt-Konfigurator entwickelt, 2007 in der Elternzeit hatte ich mit meinem Mann ein Café eröffnet.

Die KidPick-App ist noch neu auf dem Markt, es gibt kein vergleichbares Angebot. Das macht es mir einerseits leicht und andererseits schwer. Man schafft sozusagen erst den Markt und läuft Gefahr, von anderen, finanziell stärkeren und schnelleren überholt zu werden.

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Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Die KidPick-App ist zwar schon im August als iOS App im Appstore erschienen, die Entwicklung der Android Version war aber, wider Erwarten, mit deutlich mehr Schwierigkeiten verbunden. Erst jetzt erscheint die voll funktionierende Android Version im Google PlayStore. Geduld ist gefragt, die mir oftmals fehlt. Denn eigentlich läuft es super! Die Downloadzahlen, auch im Englischsprachigen Ausland, steigen, was zeigt, daß der Bedarf da ist. Nur die Konversionsrate von Freemium zu Premium könnte größer sein. Eine Stellschraube in der App, an der im nächsten Update gedreht wird.

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Wo und wie arbeitest du?

Ich arbeite fast komplett im Homeoffice. Neben meinem „StartUp“ arbeite ich Freelance als Sales Managerin, was mit gelegentlichen Kundenterminen, Messebesuchen und Reisen verbunden ist, aber mir eine willkommene Abwechslung ist und einen guten Blick über den Tellerrand bietet. Mit dem externen Entwickler-und Designteam, mit Textern und PR-Fachleuten stimme ich mich über Mail und Telefon ab. Gelegentliche Treffen in Cafés und anderen Büros sind eine nette Abwechslung.

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Endlich habe ich zwei CRM-Systeme gefunden (dank Tipps aus dem Mompreneurs-Netzwerk übrigens), die mir sehr helfen: sellf.io und SummitCRM, mit denen ich sämtliche ToDos, Follow Ups etc. organisiere. Die Entwickler schicken mir Übersichten Ihres SCRUM Boards, so dass ich den Fortschritt im Blick habe.

Mein Tagesrhythmus ist an den Schultag meines Sohnes angepasst, er geht um 7:30 Uhr aus dem Haus, da habe ich meist schon nebenbei die Hausarbeit erledigt, dann folgt eine halbstündige Sporteinheit und dann geht´s bis 15:30, unterbrochen von einer kurzen Mittagspause, an den Schreibtisch. Gelegentliche Auszeiten, Spaziergänge mit Freundinnen und Austausch mit anderen Gründern sind absolut nötig!

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Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Büro und Haushalt nah beieinander zu haben ist super! Das spart Zeit und Kosten. Natürlich wäre ein externer Co-Working Space klasse, aber erstens gibt es das in Charlottenburg nicht (mehr) und zweitens muss ich so viel telefonieren, was in auswärtigen Büros nur begrenzt gut geht. Für unseren Sohn ist die Zeit nach 16 Uhr reserviert. Wenn er Freunde zu Besuch hat, kann ich nebenbei noch arbeiten. Ansonsten jongliere ich, wie andere Mütter auch, zwischen Schreibtisch, Küche und Kind. Mein Mann ist auch selbständig. Er übernimmt genau wie ich Betreuungszeit und Hausarbeit.

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Ab und an kommt es zu Engpässen, dann springt die Oma ein oder andere Eltern und Freunde. Dank KidPick-App lässt sich das leichter organisieren. Mich hat früher auch die Freizeitorganisation herausgefordert. Am Wochenende prallen verschiedene Interessen aufeinander, die Beachtung finden wollen. Mittlerweile schicke ich bei Bedarf an Spielpartnern für meinen Sohn eine Anfrage an mein Netzwerk raus und schaue, wer Zeit hat.

Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

Das Risiko zu scheitern möglichst kleinhalten, aber mit einkalkulieren. Dem „Was-wäre-wenn-es-nichts-wird“ durchaus ernsthaft ins Auge blicken, aber nicht davor zurückschrecken. Der Weg ist das Ziel. Und auf dem Weg in die Selbständigkeit begegnen einem so viele neue Möglichkeiten, die man vorher nicht erahnt hat.

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Schaue genau, ob es einen Markt für deine Idee gibt. Wenn du feststellst, dass du dir nicht sicher bist, ob du von der Idee leben kannst, versuche herauszufinden, wie weit Du für die Idee gehen würdest. Bist Du bereit, auf gewohntes zu verzichten (Reisen, Urlaub, Auto, Klamotten, Freizeit), um die Idee umzusetzen? Wenn nein, versuche die Idee zu verbessern, zu verändern, bis daraus ein geschäftstüchtiges Modell wird, von dem du in absehbarer Zeit gut leben kannst. Passt die Idee so gut zu dir, dass du voll und ganz dahinter stehst? Und dein Partner auch? Dann…los!

Entwickle nicht um jeden Preis das 1.000ste Babyklamotten-Unternehmen. Es gibt so viel, für das es sich lohnt, seine Zeit zu investieren. Ein Tipp: forsche nach Cradle-to-Cradle Produkten, also Dinge, die nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip neu erdacht werden, neu produziert werden müssen! (https://epea.com/de/content/cradle-cradle® und https://c2c-ev.de)

Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

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  1. Wertvoll war für mich das Buch „Selbst Denken“ von Harald Welzer
  2. Meine Zeit als Wwoofer. Das war meine persönliche (kurze) Auszeit, die mir die Gelegenheit gegeben hat, meine Idee aus einer anderen Perspektive zu überdenken. https://de.wikipedia.org/wiki/WWOOF
  3. Die Methoden des Design Thinking, hier besonders die Customer Journey und Personas zu kreieren, sowie die Methodiken bei Gründen Live https://www.gruenden-live.de/e-learning/

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Links

Website: https://www.kidpickapp.com

Appstore: https://itunes.apple.com/de/app/kidpick/id939690405?mt=8

Google PlayStore: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.kidpick

Xing: https://www.xing.com/profile/AnnaJanina_Figoluschka?sc_o=ps2867

Facebook: https://www.facebook.com/KidPick/?fref=ts

Twitter: https://twitter.com/KidPickApp

Instagram: https://www.instagram.com/mekidding/

Hauptfoto: Malina Ebert

Bilder: Anna Figoluschka, Titelbild: Malina Ebert

2 Kommentare
  • Ingrid Drechsler
    Posted at 14:34h, 12 Februar Antworten

    Ein wunderbarer Artikel über eine liebenswürdige und wirlich unternehmerische Frau der man nur von Herzen Erfolg wünschen kann!

    • Cathrin Eggers
      Posted at 15:43h, 12 Februar Antworten

      Vielen Dank, Ingrid und ja: wir finden Anna auch super und geben deinen Kommentar gerne an sie weiter!

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