Anne Prib | Activity Hackerin | 2 Kinder

MomPreneurs-Portrait-Anne-Prib

Anne Prib | Activity Hackerin | 2 Kinder

CRAZY heißt für mich, Türen zu öffnen, wo andere Wände sehen.

 

Wer bist du, was machst du und warum?

Hallo ich bin Anne Prib. Activity Hackerin und Gründerin von Jack Pulse. Jack Pulse gibt es, damit wir wieder mehr natürliche Bewegung im Alltag haben – ohne Stress, ohne großen Zeitaufwand und ohne hohe Kosten. Dafür mit viel Spaß.

Anne Prib Jack Pulse Logo

Entstanden ist Jack Pulse so: Ich hatte einen echten AHA-Moment, als meine Tochter vor 6 Jahren laufen lernte. Denn mit dem Laufen kam das Sitzen. Marla liebte es sich hinzusetzen – also habe ich ihr einen Stuhl besorgt.

Der kam super an: zum Draufstellen, Hinsetzen und gleich wieder Aufstehen, zum Klettern, Runterschauen und Runterspringen. Alles großartig – aber Sitzenbleiben?! Nö. Alle Versuche, sie zum Sitzenbleiben zu inspirieren scheiterten grandios. Das Lieblingskind stand immer wieder auf und ich dachte plötzlich: „Warum will ich eigentlich, dass sie sitzen bleibt? Sie wird ihr Leben lang noch viel zu viel sitzen.“

Dieser Gedanke hat mich erschreckt und inspiriert. Ich habe mich seitdem durch Berge von Fachliteratur aus den verschiedensten Gebieten wie Psychologie, Soziologie, Geschichte, Biomechanik, Medizin etc. gelesen, um zu verstehen, wie ich als international erfahrene Kommunikationsstrategin das ändern kann.

Anne-Prib-beim-Lesen

Vier Dinge habe ich bei meinen Studien gelernt:

  • Unsere größte Challenge: Wir müssen uns bewegen wollen, damit wir uns genug bewegen.
  • Wir wissen, was wir tun müssten. Tun es aber trotzdem nicht.
  • Wir bevorzugen die schönen Dinge, wenn wir die Wahl oder kein Ziel haben. Couch oder Joggen? Blumenkohl oder Torte?

So ist vor einem guten Jahr Jack Pulse entstanden. Mein drittes Kind und zweites Unternehmen.

Bei Jack Pulse geht es darum, unser Herz höher schlagen zu lassen. Durch Bewegung, aber auch durch Dinge, die uns emotional berühren. Denn dann macht Bewegung Spaß und fällt leicht. Oder: Was macht ein Stubenhocker, wenn der erste Schnee fällt?

Außerdem passt es super zu dem, was ich als Kind immer machen wollte: Menschen gesundmachen und Eis verkaufen.

In einem Satz: Was ist deine CRAZY Mission, das Wichtigste, was du für dich & andere bewirken möchtest?

Laut WHO werden 2020 ca. 70% aller Todesursachen durch unseren modernen Lifestyle verursacht worden sein. Wenn das nicht CRAZY ist!

Das erinnert mich an den Frosch der im Topf sitzt und erst merkt, dass das Wasser kocht, als es zu spät ist. Was aber, wenn in diesem Topf eine bunte Treppe wäre?

Deswegen lautet meine Mission: < 3 (gesprochen: weniger drei).

Ich helfe Menschen dabei weniger zu sitzen, um mehr zu erleben.

Anne-Prib-motiviert-zum-Bewegen

Für die meisten von uns ist der Hauptgrund für zu wenig Bewegung das viele Sitzen, vor allem beim Arbeiten. Die Experten-Regel für ergonomisches Arbeiten sagt:

60% sitzen, 30% stehen und 10% bewegen. Konkret heißt das: 3 Stunden weniger Sitzen.

Also: Wenn du dich mehr bewegen willst, fange an weniger zu sitzen.

Deswegen habe ich mich gefragt: Was wäre, wenn körperliche Bewegung ein einfacher, schöner und nicht zeitaufwändiger Bestandteil unseres Lebens wäre?

Das Ergebnis dieser Frage sind die Activity Hacks, die ich entwickelt habe.

Activity Hacks sind kleine Veränderungen und Programme, die Bewegung in den Alltag zurückbringen und das Bewegungsbewusstsein stärken.

Ich bin so ganz entspannt von durchschnittlich 5.700 Schritten am Tag auf 7.200 Schritten am Tag gekommen, d.h. ich laufe pro Jahr etwa 300 km mehr!

Anne-Pribs-Schrittzaehler

Was läuft bei dir als Mutter und Unternehmerin anders und warum ist das CRAZY?

Bei mir war so einiges von Anfang an anders. Ich bin ohne Männer bei meiner großartigen alleinerziehenden Mama und meiner Oma aufgewachsen. So habe ich klassische Geschlechterstereotypen erst sehr spät kennengelernt und durfte von Anfang an meinen Weg gehen. Das habe ich dann auch gemacht.

Als Dreijährige hatte ich zwölf Wochen lang ein eingegipstes Bein und habe damit Purzelbäume gemacht. Mit 23 Jahren war ich Agenturchefin und habe für Roland Berger Kommunikationskampagnen entwickelt. Mit 26 habe ich meinen Mann kennengelernt und mich bewusst für das verrückte Leben an seiner Seite entschieden, weil ich schon da wusste, dass ich lange Zeiten „alleinerziehend“ sein werde, wenn er seine Filme macht.

Wir wollten beide Kinder. Wir wollten beide Berufe, die uns glücklich machen. Wir wollten beide ein gemeinsames Familienleben. Ich ging in die Agentur- und er in die Filmwelt, beides keine Welten in denen Vereinbarkeit ein leichtes Thema ist.

Deswegen kam mit dem ersten Kind der Sprung ins kalte Wasser und ich habe mich als freie Branding- und Kommunikationsexpertin selbstständig gemacht. Zeitgleich haben wir eine Wohnung gekauft. Zwei Selbstständige, ein großer Kredit, ein Kind. 23 Monate nach dem ersten kam das zweite Wunschkind.

Anne-Prib-und-ihr-Mann-beim-Deutschen-Filmpreis

Verrückte Zeiten waren und sind das. Meine Entscheidung, Sicherheit gegen Freiheit zu tauschen, wird immer wieder belohnt. Sei es durch berufliche Erfolge oder die Freiheit, für die Kinder da zu sein, wenn sie mich brauchen. Ich kann mir Zeit für mich, meinen Mann und meine Gesundheit nehmen, wenn ich sie brauche und bekam für diese Entscheidung eine Liebeserklärung vor einem Millionenpublikum. Letztes Jahr hat mein Mann den Deutschen Filmpreis gewonnen und sich zum Schluss seiner Rede bei der „Verrückten an seiner Seite“ für alles bedankt. Den Dank kann ich nur zurückgeben.

CRAZY heißt deswegen für mich, Türen zu öffnen, wo andere Wände sehen.

Wie sieht Erfolg für dich persönlich aus und was ist dein Weg dorthin?

Ein echter Erfolg ist es für mich gesund zu bleiben. Vor allem dann, wenn Kinder und Umfeld krank sind. Ansonsten hadere ich ein wenig mit dem Begriff.

Erfolg heißt, seine Ziele zu erreichen. Ich liebe es, meine Ziele zu erreichen und feiere das gerne. Zum Erfolg gehört aber auch der Misserfolg und dieses Wort mag ich gar nicht. Denn es ist negativ und hält uns vom Experimentieren ab. Wenn etwas kein Erfolg war, heißt es nicht, dass es nicht gut geworden oder zumindest lehrreich war. Weiterkommen ist deswegen für mich viel wichtiger, als meine Ziele unbedingt zu erreichen. Deswegen übersetze ich das Wort Erfolg für mich lieber mit Wachstum.

So kann ich am besten reflektieren und verstehen was gut lief, was ich ändern kann oder was ich weglassen oder optimieren muss, weil es so nicht funktioniert hat. Dabei sieht man sehr gut, dass es manchmal schnelles Wachstum gibt und manchmal langsames. Aber es geht voran und wenn nicht, kann man jederzeit die Richtung ändern. Ein Ziel würde man so schnell verfehlen.

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es, den alltäglichen MomPreneurs Wahnsinn irgendwie zu meistern?

Anne-Pribs-Buero

Mein Setup ist ein Baukastensystem, das ich regelmäßig neu konfigurieren muss, weil sich bei mir die Situation zum Teil sehr schnell radikal ändert, d.h. manchmal bin ich von einer Woche zur anderen alleine mit den Kids und der Papa ist ein paar Wochen unterwegs.

Partner in Crime

Ich kann nur mit den Worten von Sheryl Sandberg sprechen – Augen auf bei der Partnerwahl. Ohne meinen Partner in Crime, der mich und meine Ziele vorbehaltlos unterstützt und in seinem Business der Filmindustrie wahnsinnig viel Vereinbarkeit durchsetzt, wäre das, was ich beruflich auf die Beine stelle, nicht zu schaffen.

Gemeinsam statt alleine

An dem Spruch „Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“ ist etwas dran. Nur muss man sich heute das Dorf selber bauen. Ein Teil dieses Dorfes sind Kita und Schule mit Hortbetreuung. Ohne schlechtes Gewissen. Der andere Teil ist die Familie, die ich glücklicherweise vor Ort – in einer Großstadt wie Berlin keine Selbstverständlichkeit – habe. Zweimal die Woche holt die Oma die Kinder ab. Wenn mein Mann da ist, übernimmt er mindestens drei Nachmittage und das morgendliche Bringen. Dann gibt es noch tolle Nachbarn, mit denen wir eine morgendliche Laufgruppe zur Schule gegründet haben und andere Eltern. Wir helfen uns regelmäßig untereinander aus. Natürlich wird es leichter, je älter die Kinder werden. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, je mehr Kinder, desto einfacher. (Nicht unbedingt leiser, aber einfacher.)

Positivität, Dankbarkeit und Belohnungen

MomPreneur sein ist nicht einfach. Aber aus meiner Sicht einfacher, als als Mutter angestellt und zusätzlichem Druck und Regeln ausgesetzt zu sein. Druck den man nur wenig oder gar nicht beeinflussen kann. Dieser Gestaltungskraft – die natürlich auch von äußeren Dingen beeinflusst wird – verdanke ich Freiheiten, an die ich immer denke, wenn die Zeiten härter sind und dann freue mich auf meine Ausgleichszeit, z.B. den ganzen Mittwoch im Spa zu verbringen oder zwei Stunden Mittagspause mit Businessfreunden zu machen.

Planung und Produktivität

Gut geplant und priorisiert ist halb gemacht. Ich sammle Themen und versuche, sie bestmöglich miteinander zu verbinden, um doppelte Wege zu vermeiden. Wie Müll wegbringen, Einkaufen, Kinder abholen, Geschenke besorgen, zur Post gehen, eine Freundin auf einen Kaffee treffen und Pakete bei Nachbarn abholen. Das kann bei mir alles auf einem Hin- und Rückweg passieren. Genauso im Business. Ich überlege mir Wochenziele (oder nehme es mir vor) und erstelle priorisierte Aufgabenlisten für den Tag.

Anne-Prib-Notizen

Welche Top 3 Tipps & Tools bringen dir wirklich CRAZY Ergebnisse im Business oder erleichtern dir deinen CRAZY MomPreneurs Alltag am meisten?

1. Habe eine Vision von deinem zukünftigen Ich.

Diese Vision hilft mir, Entscheidungen zu treffen und dran zu bleiben. So frage ich mich immer, ob ich am Tag meinem Ziel ein Stück näherkomme. Dabei habe ich mir vorgenommen, jeden Tag einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. In den letzten Jahren habe ich manchmal viele Schritte gemacht, aber alle in verschiedene Richtungen. So kommt man nicht dahin, wohin man will. Diese Vision justiere ich regelmäßig.

Außerdem definiere ich jedes Jahr ein Thema für mich, das mich durch das Jahr begleitet. 2017 war es Klarheit, 2018 war es Struktur und dieses Jahr ist es Sichtbarkeit.

2. Hörbücher

Meine absolute Geheimwaffe: Weiterbildung to-go, Wundermittel gegen Schlaflosigkeit und Vorleser für schöne Kindergeschichten, um Auszeiten zu Hause zu schaffen. Seitdem unsere Kinder alleine Hörgeschichten anmachen können, können wir am Wochenende auch wieder nach acht aufstehen. Ein Traum.

3. Lernen

Ich liebe es Fragen zu stellen, Sachverhalte zu verstehen und zu lernen. Meistens kann man Muster entdecken und findet neue Lösungen. Vor allem, wenn man anderen Menschen zuhört oder mit ihnen spricht – egal ob älter, jünger, visionärer, erfahrener oder größer. Solange sie nicht zu negativ oder „Energieräuber“ sind, kann man von allen sehr viel lernen. Insbesondere von den eigenen Kindern. Biographien sind eine andere gute Art, aus Geschichten zu lernen.

Wie können wir in unserer Gesellschaft mehr CRAZY MomPreneurship ermöglichen – welche Rahmenbedingungen braucht es dafür?

Anne-Prib-von-Jack-Pulse

Zum einen sehe ich das Thema Mindset-Arbeit. Hier kann man noch viel machen, insbesondere negative Glaubenssätze auflösen und unternehmerisches Denken und Handeln aus der Tabu-Zone holen. Profitabel zu sein ist nichts Schlechtes, ebenso wenig wie Geld verdienen. Denn Geld bedeutet Sicherheit und schafft Freiräume, um zu wachsen.

Ein anderes Feld ist das Thema Care-Arbeit, dafür braucht es neben ausreichend Kita- und Hortplätzen weitere gute Lösungen. Ich träume ja davon, dass es Büros gibt, in denen Kinder ebenso selbstverständlich sind wie heute oft schon Hunde. Die Arbeit ist in der Familie sehr oft sehr präsent, warum darf es die Familie nicht auch auf der Arbeit sein? Moderne Betreuungslösungen zu finden – so wie das Coworking Toddler-Konzept – finde ich großartig. Davon bitte viel, viel mehr.

Männliche Feministen

Wir brauchen mehr Männer, die MomPreneurs aktiv und sichtbar unterstützen. Solidarität unter Frauen ist großartig, um aber wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen brauchen wir Männer, die das Potenzial in MomPreneurs verstanden haben und helfen, es sichtbar zu machen. Männer, die nicht in Kategorien wie Mann, Frau, Mutter denken, sondern in Kompetenzen und Qualitäten. Die MomPreneuers vorstellen, einladen und auf die Bühne bringen.

Dein wichtigstes Learning als MomPreneur für andere MomPreneurs?

Machen. Es gibt soviel zu tun, also packe ich es an!

Links

Webseite: www.jackpulse.de

Instagram: www.instagram.com/Annes_Active_Life

Pinterest: www.pinterest.de/JackPulseBerlin

Facebook: www.facebook.com/JackPulse

Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/273569143474462

0 Kommentare

Kommentar verfassen