Britta Schmidt von Groeling | Reiseliteratur | 2 Kinder

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Britta Schmidt von Groeling | Reiseliteratur | 2 Kinder

Auch wenn du Kinder hast, ist Reisen immer noch möglich!

 

Wer bist du, was machst du und warum?

Ich bin Britta Schmidt von Groeling, Eigentümerin des Verlages World for kids. Wir machen Bücher für das Reisen mit Kindern. Gestartet bin ich mit einem Selbstverlag. Ich schreibe Reiseführer für Kinder. Neu ist eine Ratgeberreihe für Eltern, in der Familienreiseblogger ihre Tipps weitergeben.

Britta Schmidt von Groeling World for kids

Der Verlag ist langsam gewachsen. Anfangs habe ich alles nebenbei gemacht, habe 3-4 Tage pro Woche in der IT-Branche im Projektmanagement gearbeitet und an meinem „freien“ Tag meine Bücher geschrieben. Dann kamen der Blog und die Website dazu, Veranstaltungen und Messen, der Vertrieb, das Marketing. Irgendwann habe ich gemerkt: Wenn ich so weitermache, falle ich um. Ich habe meine Ersparnisse geprüft, mich der moralischen Unterstützung meines Gatten versichert und dann gesagt: Jetzt oder nie. Seit Anfang des Jahres mache ich nur noch meinen Verlag. Zum ersten Mal verlege ich auch andere Autoren, gerade ist der erste Ratgeber erschienen. Plötzlich habe ich Zeit für all das, was bisher nur auf Sparflamme laufen konnte. Das ist CRAZY – und ein supergutes Gefühl!

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Das Warum ist leicht beantwortet: In mir, wie sicher vielen von uns, wohnen viele verschiedene Fähigkeiten, die sich mehr oder weniger lukrativ monetarisieren lassen. Ich habe mich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn auf die Fähigkeiten konzentriert, mit denen ich leicht Geld verdienen konnte. Natürlich hat das auch Spaß gemacht. Aber ich wollte etwas Eigenes – und schreiben! Der Rest ist Geschichte.

In einem Satz: Was ist deine CRAZY Mission, das Wichtigste, was du für dich & andere bewirken möchtest?

Auch wenn du Kinder hast, ist Reisen immer noch möglich! Und nicht nur das: Mit Kindern ist Reisen auch noch mal ganz neu, anders und herausfordernd, aber vor allem sehr bereichernd. Plötzlich wirst du nicht mehr nur als Tourist gesehen, sondern erst einmal als Elternteil. Das eröffnet ganz neue Zugänge zu den Menschen vor Ort. Die meisten Leute sind ja sehr kinderlieb – so haben uns unsere Kinder schon oft den Weg zu Gesprächen mit Einheimischen geebnet, der uns als reisendes Paar versperrt geblieben wäre. Wichtig dabei in meinen Augen: Jeder nach seiner Fasson! Die einen reisen um die Welt, die anderen bis zum See um die Ecke – aber etwas Neues zu sehen und zu entdecken, ist immer Inspiration, egal wie weit du fährst. Mir gibt das Ideen für neue Projekte – und schweißt uns als Familie zusammen.

Was läuft bei dir als Mutter und Unternehmerin anders und warum ist das CRAZY?

Wenn ich mir überlege, dass die letzten Bücher auf unserer 2-monatigen Auszeit in Kenia und Tansania ihren letzten Schliff gekriegt haben, ist das wirklich CRAZY. Mein Mann ist ebenfalls selbständig – er betreibt ein Hostelboot inmitten Berlins. Er ist auch die treibende Kraft, wenn es darum geht, dem Winter zu entfliehen – kein Wunder, er ist in Südafrika aufgewachsen. Sich von seinem Reisefieber anstecken zu lassen, war sehr einfach und hat mich in meinem Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmtheit, gerade auch in beruflichen Entscheidungen, bestärkt. Wir haben immer versucht, unsere Jobs unseren Wünschen, die wir ans Leben haben, anzupassen.

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Für uns muss Privates und Berufliches zusammenpassen, wir wollen uns nicht verbiegen. Ich bin auch deshalb als IT-Beraterin immer selbständig gewesen. Die Vorstellung, schon am Anfang des Jahres meine Urlaubszeiten festklopfen zu müssen und im Januar meine Pläne für Dezember zu fixieren, schnürt mir die Kehle zu. In meinem eigenen Business arbeite ich ebenfalls mit Freiberuflern anstatt mit eigenen Mitarbeitern zusammen. Einerseits, um meine Fixkosten gering zu halten und flexibel zu bleiben, andererseits, weil ich das Mindset von Freiberuflern schätze. Dazu kommt für mich auch, ein Büro zu Hause zu haben – wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, gibt es Coworking Spaces. In Netzwerken zu denken anstatt in festen Strukturen. Und eben auch mal den Arbeitsplatz auf die andere Seite der Weltkugel zu verlegen. Diese Möglichkeiten zu schaffen und zu erhalten, ist mir sehr wichtig. Das lässt mir Raum zum Atmen.

Wie sieht Erfolg für dich persönlich aus und was ist dein Weg dorthin?

Natürlich ist Erfolg in erster Linie auch der Erfolg des Businesses, das man betreibt. Wenn der Verlag nicht funktionieren würde, ginge auch alles andere nicht. Aber Erfolg ist für mich mehr: Nicht nur beruflich voranzukommen, sondern mein Leben so gestalten zu können, wie ich es mir wünsche. Dabei mache ich natürlich Kompromisse – aber es gibt Demarkationslinien, die ich nicht überschreiten will. Dazu gehört Zeit für meine Familie und meine Freunde. Es darf Zeiten geben, in denen ich viel arbeite, aber die Phasen der Entspannung müssen folgen, sonst macht Arbeit irgendwann krank. Diese Phasen suche ich mir aktiv und lasse dann auch mal das nächste Marketingprojekt bleiben. Man kann immer noch mehr machen, aber wichtig ist mir, dass ich auch gesund bleibe und den Spaß an der Sache nicht verliere.

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es, den alltäglichen MomPreneurs Wahnsinn irgendwie zu meistern?

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Ganz klar: Wir teilen uns die Hausarbeit und die Kinderbetreuung 50:50 auf. Mein Mann macht IMMER die Morgenschicht, da bin ich nicht zu gebrauchen. Dafür mache ich die Hausaufgabenbetreuung, das ist nicht sein Ding. Ich bin der Koch, er der Handwerker. Fahrdienste teilen wir auf. Putzen können wir alle nicht leiden, da gibt es entweder einen Familieneinsatz oder wir haben Unterstützung in Form einer Putzkraft. Und was uns immer wichtiger wird, je älter die Kids werden: Auch die Kinder helfen mit. Das war bei mir in der Kindheit schon so, und das mache ich weiter. Meine Mutter war ebenfalls Unternehmerin, wir haben auch alle mit angepackt. Ich finde, Kinder sollen ruhig spüren, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind, und jeder seinen Einsatz bringen muss, damit für alle etwas Gutes dabei herauskommt.

Welche Top 3 Tipps & Tools bringen dir wirklich CRAZY Ergebnisse im Business oder erleichtern dir deinen CRAZY MomPreneurs Alltag am meisten?

Ich bin zwar gelernte Verlagskauffrau, aber um selbst Bücher herauszubringen und das Ganze auch noch in einen florierenden Verlag zu überführen, brauchte ich doch Unterstützung – insbesondere, weil in der Branche viele Abläufe sehr tradiert sind. In Berlin wird so etwas gefördert – daher habe ich seit geraumer Zeit einen Coach, der sich bestens in der Branche auskennt. Das hilft mir sehr.

Der zweite Tipp ist ganz praktisch: Ich arbeite cloudbasiert mit Office365. Das hat drei Vorteile: Der erste ist, dass ich so alle Updates der Software abonniert habe, immer auf dem neusten Stand bin und mich um etwa 70% der Programme, die ich täglich nutze, nicht mehr kümmern muss. Der zweite ist, dass ich damit überall Zugriff auf meine Daten habe, auch mobil. Der dritte ist das Backup: Alle Daten sind immer gesichert, ich kann sie jederzeit in der aktuellsten Version wiederbeschaffen. Wenn mir also auf Reisen das Laptop geklaut wird, lässt mich das in Bezug auf Daten relativ kalt. Und online ist man heute ja ohnehin überall – dass das Wifi einer thailändischen Beachbar besser ist als das der Deutschen Bahn, ist ja mittlerweile ein Treppenwitz.

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Der dritte Tipp betrifft meine Herangehensweise an komplexe Themen. Wenn ich einen längeren Text schreiben will oder mir ein Konzept überlege, gehe ich erst einmal eine Weile schwanger damit. Das meint, dass ich das Thema kurz andenke und dann eine Weile nicht aktiv darüber nachdenke. Ich lasse es im Hinterkopf reifen. Von Zeit zu Zeit hole ich es hervor und schaue, wie weit es schon ist. Irgendwann ist dann der Punkt gekommen, wo sich Ordnung und Ideen einstellen – und dann lege ich los. Ich spare damit viel Zeit beim aktiven Schreiben und Ausarbeiten. Man muss allerdings früh genug anfangen, um nicht in Druck zu geraten, dann funktioniert es nicht gut.

Wie können wir in unserer Gesellschaft mehr CRAZY MomPreneurship ermöglichen – welche Rahmenbedingungen braucht es dafür?

Freiberuflichkeit sollte besser unterstützt werden. Das geht direkt raus an Frau Nahles: Nicht alle Menschen finden ihr Heil in einer Festanstellung! In Unternehmenskontexten wird heute viel über flexible Arbeitszeitmodelle, Sabbaticals & Co. diskutiert – für Freiberufler ist das alles ein alter Hut. Aber immer noch gibt es diesen künstlichen Gegensatz zwischen „abhängiger Beschäftigung“ und Freiberuflichkeit. Das betrifft alle Sozialleistungen, macht oft genug Probleme, wenn man mit Ämtern zu tun hat und wird auch leicht in der Öffentlichkeit dargestellt als prekäre Beschäftigung von Leuten, die keine Festanstellung gefunden haben. Das ist Unsinn. Die Gesellschaft sollte Leute, die mit ihren eigenen Ideen etwas Eigenes aufziehen, unterstützen und ihnen die Steine aus dem Weg räumen, anstatt sie argwöhnisch zu beäugen.

Britta-Schmidt-von-Groeling-Portraitfotos

Dein wichtigstes Learning als MomPreneur für andere MomPreneurs?

Mein wichtigstes Learning der letzten Jahre ist, dass ich am besten gefahren bin, wenn ich meine rational getroffenen Entscheidungen noch einmal mit meinem Bauchgefühl gegengecheckt habe – und Dinge nur dann getan habe, wenn sich das Vorhaben auch gut angefühlt hat. So gab es eine lange Zeit, in der ich den Verlag nur nebenbei betrieben habe, weil ich gespürt habe, dass ich noch nicht so weit bin. Und genauso war es jetzt die richtige Entscheidung, Vollgas zu geben. Kennzahlen sind wichtig – aber eben nur die halbe Miete. Ich muss auch ein gutes Gefühl dabei haben und in meinem eigenen Tempo voran gehen.

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