Katharina Schnell | Personalmanagement | 3 Kinder

MomPreneurs Katharina Schnell Personalmanagement

Katharina Schnell | Personalmanagement | 3 Kinder

Zwischen Skype Calls, Brei füttern, Preisverhandlung und Halli Galli spielen – das empfinde ich oft als crazy

 

Wer bist du, was machst du und warum?

Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde, bekam ich von meiner damaligen Vorgesetzten und Mutter einer Tochter gesagt, dass ich nach zwei Schwangerschaften so kurz aufeinander nun wirklich nicht erwarten könnte, meine alte Position – die Betreuung weltweiter Niederlassungen im Bereich Personal – weiter auszufüllen.

Seit Jahren hatte ich immer wieder überlegt, mich selbständig zu machen. Viele Glaubenssätze und mangelnde Vorbilder haben mich davon abgehalten. Aber dann war die damalige Situation die Initialzündung: das perfide Spiel, erfahrene Mitarbeiterinnen in irgendeine Position zu parken, die meilenweit unter ihrem Know-how liegt, habe ich zu oft mitansehen müssen. Also habe ich meinen Ausstieg verhandelt und 2015 Katharina Schnell Personalmanagement gegründet. Im Coaching habe ich meine Glaubenssätze – die vor allem rund um das Thema Sicherheit verankert waren – hinterfragt und schließlich sukzessive über Bord geworfen. Heute weiß ich: auch als Beamtenkind kann man mit der vermeintlichen Unsicherheit der Selbständigkeit prima leben. 😉

MomPreneurs Katharina Schnell Personalmanagement Logo

Inzwischen übernehme ich die Beratung und operative Umsetzung von Personalthemen für kleine, kleinere und größere Unternehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Bearbeitung von Störungen und Konflikten – sei es auf persönlicher Ebene oder im kollegialen Umfeld. Dabei hilft mir neben meiner Mediationsausbildung auch, dass ich schon immer ein Faible für Kommunikation und Sprache hatte: ich liebe das Wechseln in andere Sprachen, meine Kinder wachsen durch meinen niederländischen Mann zweisprachig auf, 50% meiner Geschwister sind mit anderssprachigen Partnern zusammen. Missverständnisse und die Klärung derselben sind also mein täglich Brot. 😉

In einem Satz: Was ist deine CRAZY Mission, das Wichtigste, was du für dich & andere bewirken möchtest?

Ich habe nach wie vor die Vision, dass gute Personalarbeit eine Organisation wirklich voranbringen kann. Daran arbeite ich jeden Tag!

Was läuft bei dir als Mutter und Unternehmerin anders und warum ist das CRAZY?

MomPreneurs Katharina Schnell bei der Arbeit

Ein guter Freund hat mal zu mir gesagt: „In der Kleinkindphase selbständig zu sein, ist prima, wenn du es aushalten kannst, mit Kunden zu telefonieren, während deine Kinder Spaghetti an die Wand werfen“ – ich finde: das trifft es ziemlich gut. Die Parallelität der Dinge, zwischen Skype Calls, Brei füttern, Preisverhandlung und Halli Galli spielen – das empfinde ich oft als crazy. Aber wenn ich mir vorstelle, ich müsste wieder täglich in dasselbe Büro fahren und könnte die Kinder nur abends und am Wochenende sehen, dann finde ich die Variante „crazy“ eindeutig besser! Und als ich ein paar Monate nach der Geburt meines dritten Kindes die Nerven hatte, mit Baby auf dem Arm das Workshop-Konzept mit meinen Kunden zu besprechen, war ich wahnsinnig stolz auf diese neue Art des Arbeitens! Pünktlich zum Elternzeitwechsel waren meine Auftragsbücher wieder gefüllt. Das hätte ich mir nicht vorstellen können – und es war ehrlicherweise in der Pause nach der Geburt auch das ein oder andere Mal meine nächtliche Sorge…..

MomPreneurs Katharina Schnell mit ihrem Kind

Wie sieht Erfolg für dich persönlich aus und was ist dein Weg dorthin?

Wenn ich irgendwann aus dem Lehnstuhl auf mein Leben blicke und stabile, freudvolle Beziehungen zu meiner Familie und meinen Freunden sehe, dann habe ich mein Leben erfolgreich gelebt. Mein Handeln – beruflich und privat – ist an dieser Maxime ausgerichtet. Deswegen bedeutet Erfolg für mich in der etwas kurzfristigeren Perspektive: unseren Lebensunterhalt mit möglichst wenig zeitlichem und energetischem Aufwand zu verdienen, um meine Kinder bei ihrem Start ins Leben zu begleiten. Das gelingt natürlich nicht immer, aber ich versuche, mich immer wieder daraufhin zu hinterfragen und nach extrem arbeitsreichen Phasen auch wieder Freiräume einzubauen.

MomPreneurs Katharina Schnell beim Relaxen in den Bergen

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es, den alltäglichen MomPreneurs-Wahnsinn irgendwie zu meistern?

Ich kann oft von zu Hause arbeiten und bin meistens ein bis zwei Tage pro Woche vor Ort bei Kunden. Mein Mann und ich teilen uns die meisten Dinge halb/halb auf – je nachdem, für wen es gerade besser passt. Das bedeutet, dass wir sehr viel abstimmen müssen. Zum Glück haben wir eine gute Kita, Nachmittagsbetreuung in der Schule und ein stabiles Netzwerk mit anderen Eltern sowie tolle Großeltern, sodass wir eigentlich mit dem Jonglieren der Termine ganz gut klarkommen.

Welche Top 3 Tipps & Tools bringen dir wirklich CRAZY Ergebnisse im Business oder erleichtern dir deinen CRAZY MomPreneurs-Alltag am meisten?

Ich benutze ehrlich gesagt wenig Tools. Um den Alltag mit all seinen unzähligen To-do-Listen, Terminen etc. halbwegs im Griff zu haben, ist für mich die Haltung, nicht alles selbst machen zu wollen, sehr enge Abstimmung mit meinem Partner und falls möglich auch mal fünfe gerade sein lassen, essenziell.

Wie können wir in unserer Gesellschaft mehr CRAZY MomPreneurship ermöglichen – welche Rahmenbedingungen braucht es dafür?

MomPreneurs Katharina Schnell spielt mit ihren Kindern

An politischen Rahmenbedingungen müsste vor allem eine klare Regelung zum Thema Selbständigkeit vs. Scheinselbständigkeit etabliert werden, die im Blick behält, dass es gerade in Teilzeit-Gründungen über einen gewissen Zeitraum so sein kann, dass im Schwerpunkt ein Großkunde bedient wird. Durch die nach wie vor schwammige Indizienregelung zur Feststellung der selbständigen Tätigkeit von Freelancern und Beratern bewegen sich Auftraggeber und Auftragnehmer ständig in einem unsicheren Raum. Die Überarbeitung dieser Gesetzgebung vor zwei Jahren hat leider zu mehr Unsicherheit statt Klarheit geführt.

Der zweite Punkt ist – und dieser betrifft alle arbeitenden Paare – dass das Ehegattensplitting in seiner jetzigen Form endlich dahin geschickt wird, wo es herkam: in die sechziger Jahre der Bundesrepublik. Die massive steuerliche Förderung der Alleinverdiener-Ehe bildet die Lebensrealität vieler so überhaupt nicht mehr ab. Durch die Progression kann so manches Paar wirklich ins Rechnen kommen, ob sich das berufliche Handeln finanziell so lohnt.

MomPreneurs Katharina Schnell im Urlaub mit ihrer Familie

Und zu guter Letzt: Flexibilität der Arbeitswelt und gleichberechtigte Partnerschaften. Nur wenn es dazu kommt, dass bei Unternehmen wirklich das Ergebnis zählt und nicht ein wie auch immer gestaltetes physisches Präsenzmodell, kann es wirkliche Vereinbarkeit geben. Und dabei muss es auch klar sein, dass Kind krank, Schulaufführungen, Kindergeburtstage etc. selbstverständlich einen Platz im Terminkalender der Väter haben. Manchmal glaube ich allerdings, dass das mein persönliches Utopia ist…..

Dein wichtigstes Learning als MomPreneur für andere MomPreneurs?

Mein Learning aus meiner Zeit als Mutter und Unternehmerin – und dafür habe ich einige Jahre gebraucht und es gelingt mir immer noch nicht durchgehend – ist: sich freimachen von den Erwartungshaltungen der anderen und am besten gemeinsam mit dem anderen Elternteil einen eigenen Weg finden und diesen selbstbewusst gehen.

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