Katja | Fotografie | 2 Kinder

Fotografin Katja Harbi

Katja | Fotografie | 2 Kinder

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Wer bist du und was machst du?

­Ich bin Katja Harbi, selbstständige Fotografin, Ethnologin und Mutter zweier Kinder.
Mein Leben dreht sich um andere Menschen. Fotografie ist der Weg, über den ich mich ausdrücke. Sie ist mein Weg, die Zeit anzuhalten, Momente und Emotionen zu konservieren – für andere und für mich.

Ich fotografiere die Momente des Lebens, von der Geburt bis zum hohen Alter, ich mache Schwangerschafts-, Familien und Einzelportraits. Ausserdem habe ich großes Interesse an allen „way of lifes“, also den verschiedenen Möglichkeiten, das Leben zu betrachten und zu gestalten, sei es kultur- oder glaubensbedingt oder durch individuelle Erfahrungen. Aus diesem Grund habe ich Ethnologie, Politik und Religion studiert. Dieses Wissen nutze ich als Reisefotografin und für diverse Foto-Projekte, in denen ich eigene Themen und Fragestellungen bearbeite.

Zur Zeit gilt meine besondere Aufmerksamkeit dem Foto-Projekt „MompreneursLife“. Ich portraitiere Mütter, die versuchen, die klassischen Modelle „Hausfrau“ oder „Karriere im Angestelltendasein“ zu umgehen und sich selbstständig machen. Vor allem möchte ich die Situationen und Momente bildlich festhalten, um die sich ein Mompreneur-Leben dreht. Ich will wissen: Wer sind diese Frauen und welches Business haben sie gegründet? Warum wählten sie diesen Weg? Was treibt sie voran? Wie schaffen sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Es ist wahnsinnig faszinierend, in die unterschiedlichen Welten der Unternehmer-Mütter einzutauchen und diese starken Frauen näher kennenzulernen.

Katja Harbi bei der Arbeit als Fotografin

Woher kam die Idee für dein Business?

­Ich glaube daran, dass sich Träume verwirklichen lassen. Ich persönlich möchte alles – für die Familie da sein und meinen eigenen Interessen als leidenschaftliche Fotografin und Ethnologin nachgehen. Und ich lasse mich ungern in Schablonen und Zeitmuster pressen. Deswegen habe ich mich für die Selbstständigkeit entschieden.

Wie bist du gestartet, wo stehst du zur Zeit?

­Ich arbeite seit 2007 als professionelle Fotografin. Kurz darauf kam unser erstes Kind. Der Anfang war etwas holprig, da unser Sohn mehr Zeit in Anspruch nahm, als wir zunächst erwartet hatten. Auf die Ankunft unsere Tochter 2012 war ich schon besser vorbereitet. Im Mai 2013 zog ich mit meiner Familie aus Israel nach Deutschland. Dies hatte zwei Gründe. Zum einen wollte mein Mann einmal die Erfahrung machen, im Ausland zu leben. Zum anderen wollte ich meinen Eltern näher sein – unsere Kinder sind ihre einzigen Enkel.
Zudem habe ich in Deutschland eine bessere Kinderbetreuung. Zwar leben Kfir und ich ohne Eltern in Berlin (meine Eltern wohnen 300 km weit weg, seine in Israel), aber wir haben eine tolle Babysitterin. Zudem unterstützt mich mein Mann, der auch selbstständiger Fotograf ist. Er hat mittlerweile gelernt: „Happy wife, happy life“.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass Menschen meine Bilder mögen und mich auch in Deutschland buchen.

Katja Harbi mit ihrer Familie

Wo und wie arbeitest du? Wie ist dein Set up?

­Als selbstständige Fotografin und Ethnologin kann ich weitestgehend meinen Tagesablauf selbst bestimmen. Meine Termine lege ich in die Zeit, in der meine Kinder im Kindergarten sind. Mein Mann und ich teilen uns die Hausarbeit – ein bisschen müssen wir das noch üben. Die Zeit vom Abholen der Kinder aus der Kita bis zum Einschlafen der Kinder versuchen wir, als Familie zu verbringen. Liegt mehr Arbeit fürs Business an, teilen mein Mann und ich uns die Kinderbetreuung. Der andere darf dann Überstunden machen. Schlafen die Kinder, setzen wir uns wieder an die Arbeit. Ein- bis zweimal die Woche verbringen wir einen Pärchenabend miteinander, an dem wir uns immer viel zu erzählen haben.

Wie schaffst du es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

­Ich liebe meine Arbeit so sehr, dass ich sie nicht als Belastung empfinde. Vor allem gibt sie mir die Ausgeglichenheit, um eine gute Mutter zu sein. Meine Arbeit ist abwechslungsreich, ich kann unter Menschen gehen, zu Hause am Computer arbeiten und eigenen Themen nachgehen. Sie bietet genug Aufregung, was meiner Abenteurernatur zugute kommt. Aufträge in Israel gewährleisten, dass meine Kinder die Großeltern zweimal im Jahr sehen.

Katja Harbi mit ihrem Mann (rechts) und ihre Kinder (links)

Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbstständig machen wollen?

­„Selbstständig sein“ heißt „Selber ständig arbeiten“. Wer sich selbstständig macht, sollte deswegen das, was er macht, mit Leidenschaft tun. Ich schätze mich glücklich, dass ich fotografieren, abends am Computer sitzen und an meinen Bildern arbeiten kann. Auch Dinge wie Bürokratie und Buchhaltung gehen leichter von der Hand, wenn man das liebt, was man tut.

Manchmal ist der Tag so ausgefüllt mit Arbeit und Kinderzeit, dass der Haushalt liegen bleibt. Da mein Mann die selben Gründe anführen kann, warum er keine Zeit für den Haushalt hat, mussten wir unsere Toleranzschwelle für Ordnung und Sauberkeit etwas erhöhen.

Ausserdem könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, mit zwei lebhaften Kindern im Alter von zweieinhalb und fünf Jahren zusammenzuleben. Selbst wenn man aufräumt, sieht es nach zehn Minuten wieder so aus wie vorher. Es frustriert nur, wenn man zu viel Wert auf Ordnung legt. Also lieber mal was liegen lassen. Es gibt einen Trick, den mir Esther verraten hat und den ich sehr gut finde: Staubsauger neben die Tür stellen und spontanen Gästen sagen, dass man gerade mit der Hausreinigung anfangen wollte… Schritt für Schritt geht es voran. Zwischendurch ermahne ich mich immer, geduldig zu bleiben, denn „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Geduldig sein muss ich oft, denn häufig unterbreche ich angefangene Arbeit, um Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Auch wenn Kinder krank sind, bleibt Arbeit liegen. Vor allem aus diesem Grund weiß ich meine Vernetzung mit anderen MomPreneurs sehr zu schätzen. Man hat eine gemeinsame Basis, weil sie genau wissen, wie sich ein Mompreuerleben gestaltet.

Bilder: Katja Harbi, Kfir Harbi

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