Madeleine | Text | 1 Kind

Madeleine | Text | 1 Kind

Mach jeden Tag ein richtig wichtiges Ding!

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Madeleine Penny Potganski. Ich verwandle Ideen und Tatsachen in Geschichten und gebe mit meinem Textbüro KLEiNE EiNHEiT Inhalten einen Ausdruck. Als Copywriterin texte ich für unterschiedliche Kommunikationskanäle, entwickle übergeordnete Konzepte und Strategien und optimiere als Lektorin bestehende Texte. So schreibe ich zum Beispiel für Websites, finde im Dialog mit meinem Kunden die für ihn oder sie passende Kommunikationsstrategie und lektoriere Publikationen oder wissenschaftliche Arbeiten.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski1b
Ich habe es mir zudem auf die Fahne geschrieben, das Thema Corporate Language präsenter zu machen. Denn ein guter Text ist nicht nur korrekt, stilsicher und zielgruppengerecht formuliert, sondern spiegelt die ganz eigene Identität einer Unternehmung wider. Positionierung und Leitidee einer Geschäftsidee gemeinsam mit meinen Kunden herauszuarbeiten, macht mir dabei großen Spaß. Ich finde es immer wieder sehr spannend, mich in alle möglichen Bereiche einzuarbeiten – ob Sicherheitstechnik oder Jeepsafaris.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski10

Mein interdisziplinärer und kultureller Background bereichert mich dabei sehr und hilft mir, jedes Mal wieder einen ganz eigenen Blick auf ein Projekt finden und mich in die dahinterstehenden Bedürfnisse einfühlen zu können. Außerdem bin ich seit sechs Jahren als Wortkapitänin verantwortlich für alle Texttaten bei Matrosenhunde, dort texten (ich) und kritzeln (meine Mit-Matrosin Fine Heininger) wir Alltagswunderlichkeiten, stellen aus, produzieren Print-Editionen und veröffentlichen in Lieblings-Indiemagazinen.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski15

Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet und wie hast du das finanziert?

Ein Kind zu kriegen, hat für mich tatsächlich das unterste zuoberst gekehrt und alles einmal ordentlich durchgeschüttelt. Die größten Veränderungen waren nicht organisatorischer Natur – wenngleich diese natürlich sehr vordergründig sind – sondern betreffen meine gesamte Haltung zum Leben und die dahinterstehenden Werte. Meine Prioritäten haben sich ganz neu sortiert. Ich wollte neue Wege einschlagen, um meine Arbeitssituation meiner Lebenssituation anzupassen, nicht umgekehrt. Denn ich will selbst die Verantwortung dafür übernehmen, was ich wie, wann und warum tun möchte.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski3

Zuvor hatte ich schon einige Jahre lang nebenberuflich als Freelancer getextet und lektoriert.  Es lag dann nahe, das auch hauptberuflich zu machen. Nach Stationen im Kunst- und Kulturbereich als Texterin und Dramaturgin sowie in der Startup-Szene, unter anderem als Projektmanagerin, habe ich für mich festgestellt, dass ich am liebsten ortsunabhängig bin, um mir nachhaltig eigene Strukturen schaffen zu können. Gerade mit Kind ist das für mich ein unschätzbarer Vorteil.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski7a

Daher habe ich mich gegen eine Tätigkeit im organisatorischen Bereich oder am Theater entschieden und dafür, überall dort arbeiten zu können, wo ich meinen Laptop aufklappen kann. Diese Gestaltungshoheit, dahin gehen zu können, wo es mich gerade hinzieht und es sich gut anfühlt und ich mich mit den richtigen Menschen umgeben kann, ist für mich sehr wertvoll.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski5

Ich habe dann aus der Elternzeit heraus gegründet: den Businessplan geschrieben, ein Existenzgründungsseminar absolviert, den Gründungszuschuss beantragt und erhalten, mich über die Künstlersozialkasse versichert und meine eigene Website entwickelt. Im Prinzip habe ich direkt angefangen und schon in der Gründungsphase Textprojekte betreut. Wie man immer so schön sagt: es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und wenn es losgeht erkenne ich viel klarer, welche Schritte ich gehen möchte als im bloßen Kopfkino.

Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Mein Kapitalbedarf war von Anfang an sehr überschaubar, da ich ja neben Laptop, Internet und meinem Kopf keine größeren Gewerke benötige, um arbeiten zu können. Im ersten halben Jahr hatte ich aus lauter Sparsamkeit auch noch kein Büro, es arbeitet sich allerdings weitaus effektiver und fröhlicher, seit ich einen Büroplatz habe.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski4

Von Anfang an hatte ich Kunden und konnte durch den Gründungszuschuss meine laufenden Kosten decken. Den Proof of Concept habe ich erbracht und kann mich mit meiner freiberuflichen Arbeit finanzieren. Gleichzeitig ist es manchmal nicht so einfach für mich, das Sicherheitsbedürfnis in mir ruhigzustellen und mir zu sagen: go with the flow. Doch Unwägbarkeiten bleiben immer und für mich überwiegt die Freiheit, mein Leben so gestalten zu können, wie es möglichst gut zu mir passt und immer wieder neue Strukturen, Arbeitsrhythmen und -inhalte auszuprobieren.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski14

Dabei ist es mir wichtig, eine gute Mischung aus klassischen Businessprojekten in der freien Wirtschaft und Kunst- und Kulturprojekten zu finden. Die Kombination aus angewandtem und freiem Schreiben mag ich sehr. Und wenn ich morgen beschließe, vier Wochen in einer anderen Stadt oder mit Blick aufs Meer arbeiten zu wollen, dann kann ich das gemeinsam mit meiner Familie organisieren: selbstbestimmt und frei. Langweilig wird mir also vermutlich nicht so schnell.

Wo und wie arbeitest du?

Ich teile mir mit vier Fotojournalisten und drei Kommunikationsdesignerinnen ein renoviertes Ladenlokal als Coworking-Office. Das schafft neben inspirierender Arbeitsatmosphäre einen guten Anreiz, um motiviert das Haus zu verlassen und sorgt zudem für einen gleichermaßen geregelten wie flexiblen Arbeitsrhythmus. Wir organisieren monatlich einen Jour Fixe, an dem wir uns zu bestimmten Business-Themen austauschen, die für alle relevant sind – Crowdsourcing im Kleinen sozusagen. Darüber hinaus können wir einander als „Masterminds“ unterstützen – oder auch einfach eine Kaffee- und Kekspause einlegen.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski11
Auch meine Matrosenhunde-Kumpanin Fine ist Teil unseres Co-Working-Kollektivs, so dass wir neben unseren eigenen Projekten auch gemeinsame Aufgaben direkt im Atelier angehen können. Zwischendurch arbeite ich auch ganz gerne mal im Home-Office, vor allem, wenn ich meinen ganzen Buchhaltungs-Papierkram oder bestimmte Bücher um mich herum benötige.

Allerdings nur zu den Kita-Zeiten, also in Ruhe mit Tee auf dem Tisch und Podcast im Hintergrund. Außerdem kommen gute Ideen sowieso oft genug nicht am Schreibtisch, sondern beim Segeln, Schaukeln oder im Museum. Ich erlaube mir also offiziell „Studienausflüge“ zur Erweiterung meines Horizonts. Auch das gehört zu meiner Arbeit.

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Mein Freund und Vater meines Kindes und ich versuchen, uns als Team die Kinderbetreuung gleichberechtigt nach dem 50-50-Prinzip zu teilen. Heißt: wir arbeiten beide ca. 30 Stunden pro Woche – was übrigens auch gar nicht so sehr an der Tatsache Kind liegt wie an unserer Überzeugung, auch in Teilzeit genauso effizient sein zu können wie in klassischer Vollzeit und durch die gewonnenen Reflexionsräume auch bessere Arbeit abliefern zu können.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski6
Einer bringt unser Kind in unsere ganz wunderbare Kita, der andere holt es ab. Jeder hat dabei regelmäßige open end Arbeitstage. Dass mein Freund auch selbstständig ist, erleichtert vieles, macht aber gleichzeitig eine klare Planung schwierig – wobei es eine solche mit dem Faktor Kind ja sowieso nicht gibt. Wir sprechen uns meist am Wochenende über die kommende Woche ab und bemühen uns, einander nach besten Kräften zu unterstützen und dem anderen konzentrierte Arbeitsphasen zu ermöglichen. Eine faire, respektvolle Grundhaltung ist für mich die Basis für alle weiteren organisatorischen Rahmenbedingungen.

Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

Der Tag hat 24 Stunden. Was soll da rein? Wie möchtest du Familie leben, was bedeutet Arbeit für dich und wie kriegt ihr das unter einen Hut? Ich sehe da eigentlich keinen Unterschied zwischen Mom- und Dadpreneurs, da ich finde, dass kein Elternteil qua Geschlecht oder Rollenzuschreibung mehr zuständig sein sollte als der andere. Eher: wie kann ich das Umfeld schaffen, das es mir erlaubt, das Leben zu führen, das mir für mich und meine Kinder wichtig ist?

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski9

Mit einer Ausnahme, die Mütter betreffend, da sie diejenigen sind, die mit den Anstrengungen von Schwangerschaft, Geburt und u.U. Stillzeit umgehen müssen: gib dir Zeit und übernimm dich nicht. Ohne Gesundheit und körperliche wie mentale Kraft geht nichts mehr. Kein Marathon ohne Regeneration!
Plus: Konzentriere dich auf deine Stärken und hole dir Unterstützung bei Dingen, die andere besser können. Das ist sinnvoll und nachhaltig investiertes Geld, dass es dir ermöglicht, dich auf deine Kernkompetenzen zu konzentrieren und deinen eigentlichen Job gut zu machen.

MomPreneurs_Madeleine_Penny Potganski12

Ich hatte eine Gestalterin, einen Programmierer und eine Gründungsberaterin und habe diverse Career-Seminare und Workshops zu Themen wie Positionierung, Marketing und Sales, Networking oder Konfliktmanagement besucht. Generell nützlich: Mach dir Jahres-, Quartals- und Wochenpläne, überlege dir gut priorisierte – und nicht einfach aktionistische –  To-Do-Listen und, das habe ich von der tollen Ricarda vom Superwork-Blog: mach’ jeden Tag ein RWD – ein richtig wichtiges Ding. Dann kannst du den Fortschritt fühlen.

Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

  1. Grenzen: Zeit und Energie sind endlich. Baue immer einen Puffer ein und plane mit 80 statt 100 Prozent. Portioniere deine Aufgaben in übersichtliche Einheiten (siehe: Pareto-Prinzip, Kanban-Methode und Pomodoro-Technik). Finde die Werkzeuge, die dir bei Struktur und Organisation helfen – ob Pinnwand, Notizzettel oder Projektmanagement-Tool (ich kann Trello sehr empfehlen). Erledige nichts auf den letzten Drücker. Es kommt sowieso immer anders, als geplant. Und, ganz wichtig: mach gut gestaltete Pausen – solche, die denen du dir etwas Schönes vornimmst oder einfach mal gar nichts machst, außer auf der Wiese zu sitzen. Das gibt dir und deinen Angelegenheiten Raum.
  2. Wertschätzung: Das ist der Schlüssel für alles. Ehrliche Wertschätzung für deine Familie. Deine Arbeit und was du dabei lernst. Für deine Coworking-Kollegen. Deine Kunden. Für die tolle Kinderbetreuung. Und für diese deine Entscheidung, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
  3. Laufen & Lesen: Bewegung ist so wichtig! Mental, emotional und physisch. Spazierengehen, mit dem Fahrrad fahren, ein Date mit dem eigenen Körper haben und Sport machen. Verreisen, im Sommer in jeden See springen, aus dem Fenster gucken, unnütz sein, Leute beobachten und Bücher lesen, die nichts mit dem Job zu tun haben. Das hilft beim Denken und rumpelt die Dinge zurecht.

(P.S.: Wahrscheinlich sollte man sowieso immer Gaffatape und Bindfaden dabeihaben. Und Post-its. Einfach, falls was ist.)

Links

Website: https://www.kleine-einheit.de/ und  https://www.matrosenhun.de/

Blog: https://madeleinepennypotganski.tumblr.com/

Facebook: https://www.facebook.com/KleineEinheit und https://www.facebook.com/Matrosenhunde/

Twitter: https://twitter.com/penny_batman

Xing: https://www.xing.com/profile/MadeleinePenny_Potganski

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/MadeleinePennyPotganski

Bilder: Madeleine Penny, Sonja Meyer und Matrosenhunde

2 Comments
  • Annett
    Posted at 08:14h, 26 April Antworten

    Ein sehr inspirierendes Interview! Vielen Dank dafür. Ich freue mich, Madeleine über diesen Weg gefunden zu haben. Ihre zielstrebige, aber dennoch achtsame Art gefällt mir wirklich gut. Ein paar wichtige Hinweise für mich konnte ich mitnehmen und ihren Tumblr habe ich mir gleich als Lesezeichen gesetzt. Davon möchte ich mehr lesen. 🙂
    Ich wünsche ihr weiterhin viel Erfolg,
    Annett

  • Claudia
    Posted at 08:32h, 29 April Antworten

    Großartig! Das entspricht genau meiner Idee für diese Lebensphase (und auch der Papa unseres Sohnes sieht das so). Gleichzeitig bin ich auch im Textbusiness unterwegs und gerade in der Gründungszuschuss-Antragsphase. Schön zu sehen, dass es da draußen mehr von uns gibt. Alles Gute Kleine Einheit. Claudia

Post A Reply to Claudia Cancel Reply