Natascha | Messe & Events | 2 Kinder

Natascha | Messe & Events | 2 Kinder

Mehr als ein Nein zu hören, passiert nicht

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Natascha Hoffner, Gründerin der messe.rocks GmbH und Initiatorin der herCAREER, der Karrieremesse für Absolventinnen, Frauen in Fach- und Führungspositionen und Existenzgründerinnen. Zuvor war ich über 14 Jahre für eine private Messegesellschaft in Mannheim mit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig und habe in dieser Zeit mit unseren Teams über 100 Messen durchführen dürfen. Ich verantwortete u.a. den Auf- und Ausbau der B2B Messen im Personalmanagement, darunter Europas Leitmesse für Personalmanagement „Zukunft Personal“.

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Dann hat sich schlagartig alles verändert. Der Gründer verkaufte seine Mehrheitsanteile und stieg aus, ich wurde das erste Mal schwanger und wollte eigentlich partout nicht aus dem Job. Zwischenzeitlich bin ich zweifache Mama und Unternehmerin. Mit der herCAREER wollen wir karriereinteressierten Frauen eine Plattform bieten, ganz gleich ob sie sich beim Jobeinstieg, -aufstieg oder bei der eigenen Gründung befinden.

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Die Messe beinhaltet neben allen Aspekten einer weiblichen Karriereplanung deshalb auch die familiären. Neben den Ausstellern, die sich für Frauenförderung bzw. Chancengleichheit einsetzen, werden auch Angebote für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorgestellt. Das reicht von der Krippe, Kita und Ganztagsschule bis hin zu Au-pair-Vermittlungen, Essenslieferdiensten und Bringdiensten für die Wäschereinigung. Ergänzt wird die Messe durch Angebote für eine berufsbegleitende Weiterbildung sowie Angebote für die Existenzgründung.

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet und wie hast du das finanziert?

Meine Selbstständigkeit habe ich tatsächlich meinen Kindern zu verdanken. Mit dem zweiten Kind gab es eigentlich keinen Weg zurück in meinen alten Job. Das passte einfach nicht mehr, weiterhin 400 Kilometer und vier Tage von der Familie entfernt zu sein. Ich reichte also die Kündigung ein, nutzte die kurze Elternzeit bzw. Arbeitslosigkeit, um meinen Businessplan zu schreiben und Gespräche mit Banken zu führen.

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Natürlich hätte ich mich auch auf eine neue Stelle bewerben und mir einen Job in der Messebranche suchen können. Darüber habe ich aber ehrlicherweise keine Minute lang nachgedacht. Die Selbstständigkeit war einfach für mich die logische Konsequenz. In all den Jahren hatte ich mir dafür das Werkzeug angeeignet und ein Netzwerk aufgebaut.

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Innerhalb von vier Monaten nach dem Kündigungsschutz habe ich im April 2015 die messe.rocks GmbH ins Handelsregister eingetragen. Eigentlich später als geplant, denn es ließ sich einfach keine Bank finden, die bereit war, das Vorhaben mitzufinanzieren. Ich war völlig schockiert darüber, wie schwer es war, an einen Kredit zu kommen. Eine ehemalige Kollegin stand schon in den Startlöchern für eine Mitarbeit, der Messetermin im Oktober stand bereits fest. Ich entschied mich im April auch ohne Bankenzusage loszulaufen.

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Wer aus der Messebranche kommt weiß, dass eine Messe in einem halben Jahr zu planen, zu verkaufen und durchzuführen eine sehr sportliche Leistung ist. Eine Messe ist, gerade in der Anlaufphase, ein wirklich großes Investment. Auch wenn keine Förderbank mein Vorhaben unterstützt hat, so bin ich auf einen tollen Bankberater von aus dem Umland gestoßen, der mir sehr schnell zugesagt hat.

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Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Ich muss sagen, die Selbstständigkeit wäre mir nicht so ohne weiteres möglich gewesen, wenn ich nicht dieses Netzwerk und die Erfahrungen aus 14 Jahren Messearbeit, zuletzt in der Geschäftsführung, mitgebracht hätte. Also habe ich mein Netzwerk aktiviert, Partner, ehemalige Keynotes meiner Personalmanagement-Messen angesprochen, die sofort ihre Unterstützung bzw. ihr Mitwirken zugesagt haben.

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Ich bin mir wirklich erst in meiner Selbstständigkeit bewusst geworden, wie wichtig Netzwerke tatsächlich sind. Wenn ich von meinem Business erzähle, klingt das oft nach einer gewissen Leichtigkeit. Aber ich muss sagen, dass da unglaublich viel Arbeit dahinter steckt. Wir haben bislang aberhunderte Gespräche geführt, um Unternehmen und Partner für die Messe zu begeistern. Und ja, wir hatten annähernd so viele Absagen. Aber auch wenn die Messe heute noch eine Investition ist, glaube ich, dass wir aus der herCAREER noch viel mehr rausholen können. Die Resonanz auf die Messe scheint uns Recht zu geben. Das ganze klare Ziel ist weiter zu wachsen sowohl mit der herCAREER selbst als auch weitere Messen zu initiieren bzw. zu vertreiben. Der Schlüssel für den Erfolg ist hier tatsächlich unsere Anstrengung im Vertrieb und die Begeisterung für das eigene Produkt, die wir die Kunden auch spüren lassen wollen.

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Wo und wie arbeitest du?

Gestartet sind wir zu zweit bei mir zu Hause. Dann habe ich mir ein eigenes Büro gesucht, das wir im August vergangenen Jahres bezogen haben. Das Büro ist perfekt, gibt es uns doch die Möglichkeit, hier noch um circa drei bis vier weitere Arbeitsplätze zu wachsen. Damit die Zusammenarbeit untereinander bestmöglich funktioniert, sind den Mitarbeiterinnen natürlich Verantwortungsbereiche zugewiesen.

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Im Büro nutzen wir die web-basierte Projektmanagementsoftware Trello für das gesamte Messehandling vom CRM-System, über die Auftragsverwaltung und die Schnittstellen bis hin zu den Webseiten wie das Messeprogramm und die Ausstellerlisten sowie zu Datev und Co. Diese Software war und ist ein Investment, das uns bei unserer täglichen Arbeit unterstützt. Mein Learning: Ein gutes und funktionierendes CRM zur Kundenverwaltung ist das A und O.

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Dazu muss man sagen, dass mein Mann und ich uns die Aufgaben in der Familie teilen … Gut, wahrscheinlich übernimmt er hin und wieder auch mehr als 50 Prozent. Dennoch hat zu Hause jeder von uns seine festen Verantwortungsbereiche. Wir sind beide in Vollzeit tätig, machen aber weitestgehend keine Überstunden – von der Woche vor einer Messe mal abgesehen.

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Mir war von Anfang an klar, dass ich Mitarbeiter brauche. Messen lassen sich nicht alleine realisieren. Ich bin glücklich und dankbar, dass mein Mann sich so aktiv um die Familie kümmert. Er erinnert mich täglich sehr freundlich, dass ich doch jetzt mal „Feierabend“ mache und die Firma – Firma sein lassen sollte. Wir haben nun auch seit fast eineinhalb Jahren ein Au-pair, das uns unterstützt, da die Betreuungszeiten in der Krippe bzw. Kita es anders nicht möglich machen. Wir fühlen uns wirklich gut mit dieser „Lösung“.

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Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

Ich würde dir raten, deinen Partner (wenn du einen hast) mit in die Verantwortung zu nehmen. Ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan. Meine persönliche Meinung dazu: Kinder haben nicht nur Mütter, sie haben auch Väter. Und ich persönlich finde es schade, wenn Männer die Selbstständigkeit ihrer Frauen als Hobby abtun und ihren Job über die Interessen ihrer Frau bzw. Partnerin stellen. Damit sich auch zu Hause etwas ändert, müssen Frauen aktiv die Unterstützung ihres Partners einfordern.

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Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

Es ist natürlich immer schwer, anderen Tipps weiterzureichen, weil jede andere Ziele verfolgt.

  1. Grundsätzlich würde ich allerdings gerne dazu ermutigen, mehr und häufiger an potenzielle Kunden heranzutreten. Der Vertrieb der eigenen Produkte oder Dienstleistungen ist gerade bei einer Neugründung so elementar.
  2. Das Feedback vom Kunden ist wichtig, auch um etwas anders oder besser zu machen. Ich musste auch lernen, den Kunden selbst entscheiden zu lassen, ob er Interesse an meinen Produkt bzw. meiner Dienstleistung hat. Ich bin dafür verantwortlich aufzuzeigen, dass meine Dienstleistung die Lösung für sein Problem sein könnte. Wenn ich mit vielen Kunden arbeite, ist deshalb ein CRM-System unerlässlich – und das muss gar nicht teuer sein.
  3. Und zu guter Letzt: Schaff dir Netzwerke, geh auf Events, sprich aktiv Leute an, die dich unterstützen können, schneller erfolgreich zu sein. Mehr als ein Nein zu hören, passiert nicht.

Links

https://www.her-career.com/

Website: https://www.messe.rocks/

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Bilder: Sung-Hee-Seewald, Claus Morgenstern, Franz Pfuegl

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