Nina | E-Commerce | 1 Kind

Nina | E-Commerce | 1 Kind

Zahlen, Daten, Fakten lügen nicht

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Nina Böing, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von KINDHOCHDREI.DE, dem ersten Shopping Service für Kinderkleidung (sog. Curated Shopping). Unser Leitspruch ist „Mama hat Zeit“, da Mamas für drei Outfits für den Nachwuchs nur einen Online-Fragebogen ausfüllen und ein kurzes Telefonat mit uns führen müssen. Kein stundenlanges Klicken in Onlineshops oder mit den Kindern im Laden einkaufen gehen.

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Einfach ganz gemütlich zuhause auswählen, und was nicht gefällt, zurückschicken. Ach ja, natürlich versandkostenfrei und ohne Servicegebühren. Ich kümmere mich hauptsächlich um Einkauf, Marketing und Finanzen, wobei ich Forderungsmanagement und Buchhaltung weitestgehend über Dienstleister realisiere. Operativ bin ich nur noch dabei, wenn Mitarbeiter ausfallen, das Weihnachtsgeschäft uns überrollt, oder, oder, oder…

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet, und wie hast du das finanziert?

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, und obwohl ich die damit verbundenen Auf‘s und Ab‘s erlebt habe, stand für mich schon früh fest, dass ich auch mein eigener Chef werden wollte. Ich habe mein Leben lang irgendetwas gegründet: die Schülerzeitung mit 13 Jahren, einen eigenen Foto-Gedichtband mit 18 Jahren rausgebracht, während des BWL-Studiums den Businessplan für die Erfindung meines Freundes (ein computerbasiertes Medizinprodukt, was ich nie ganz verstanden habe) geschrieben, und bei dem Businessplan-Wettbewerb start2grow den 4.Platz erzielt. Ich habe neben dem Studium daraufhin viele Businesspläne erstellt (aber immer wieder verworfen) und auch mal einer Freundin den Marketing- und Vertriebsauftritt ihres StartUps geplant.

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Letztendlich war die Zeit aber wohl erst reif, als ich bedingt durch den Jobwechsel meines Mannes mit Baby und Mann nach Berlin „zwangsumgezogen“ wurde. Hier wollte ich gerne wieder (wie vor der Elternzeit) eine leitende Angestellten-Position mit 25-30 Stunden/Woche im Marketing/Vertrieb bekleiden, aber leider habe ich diese Nadel im Heuhaufen nicht gefunden.

Im Juni 2013 hab ich mich dann einfach mit einem leeren Zettel an den Esstisch gesetzt und zwei Sachen aufgeschrieben. Was ICH gerne mache („Kinderkleidung shoppen“, ja, man sollte ehrlich sein, auch wenn es einem unangenehm ist) und was ANDERE nicht gerne machen („Kinderkleidung shoppen“). Nun wollte ich aber keinen Onlineshop gründen, sondern das Beste aus den Welten stationärer Handel und Onlineshop verbinden. Damit war die Idee geboren.

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Drei Monate später waren wir online. Nachdem ich „meine“ Idee gefunden hatte, habe ich Tag und Nacht an dem Konzept und später an der Website gearbeitet. Zum Glück habe ich ein tolles Team. Ich hatte das Glück, dass ich eine unglaublich gute Grafikdesignerin schon vorher kannte und einen tollen Webentwickler gefunden habe, der mittlerweile mein IT-Chef ist. Finanziert habe ich mit Eigenkapital und tue das immer noch. Das fühlt sich dann einfach wirklich nach meinem Business an, auch wenn es mal weh tut, aber nur so kann ich wirklich mein eigener Chef sein und bleiben.

Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Nach 15 Online-Monaten habe ich gerade das Gefühl, dass ich fokussierter werde und kein Problem mehr habe, Rat von Experten einzuholen. Das konnte ich am Anfang nur schwer, da ich Angst hatte, Lorbeeren damit abzugeben. So habe ich sehr viel ausprobiert nach dem Motto „try and error“, was mich auf der einen Seite auch Geld gekostet hat.

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Auf der anderen Seite sind die schmerzvollen Erfahrungen vielleicht auch die Besten?! Meine Erwartungen haben sich insofern erfüllt, dass meine Idee von unseren Kunden geliebt wird und wir sehr gut auch über Empfehlungen wachsen können. Finanziell gesehen wäre es besser, schneller zu wachsen, aber aktuell gelingt es mir nicht immer, schnell genug die passenden Leute zu finden. Das bremst uns aktuell leider etwas aus, obwohl das Bestellvolumen da ist.

Wo und wie arbeitest du?

Aus räumlicher Sicht lebe ich mit der Firma aktuell noch unter einem Dach. Es ist so, dass die Firma selber zwar räumlich im Haus getrennt ist, mein Büro aber einer unserer Privaträume ist. Das führt dazu, dass meine Mitarbeiter natürlich immer auch ein bisschen durch unsere Privaträume laufen, wenn Sie zu mir wollen. Das finde ich nicht ideal, da es für mich die Trennung zwischen privat und geschäftlich total verwässert. Ich brauche diese Trennung aber, um entspannen zu können. Mein Wunsch für 2015 ist daher ein zweiter Arbeitsplatz außerhalb meiner 4 Wände.

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Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Da unsere ganze Familie weit weg wohnt, müssen wir jede Betreuungszeit gut planen und vor allem mit Notfall-Lösung. Das hat mittlerweile dazu geführt, dass wir zwar einen Haupt-Babysitter haben, aber auch noch drei weitere für Notfälle. Ich beneide dann schon alle Familien, die ihre ganze Familie um die Ecke haben. Mein Mann und ich sind wahrscheinlich auch dadurch bedingt ein sehr gutes Team geworden, dass wir die Aufgaben gut verteilt und dabei auch Rücksicht darauf genommen haben, wer was gerne macht bzw. nicht so gerne macht. Bspw. kauft mein Mann bei uns die Lebensmittel ein, weil ich das nicht leiden kann. Dafür wasche ich, was er wiederum nicht mag. Irgendwie geht alles über „Deals“ und auch mal über Diskutieren.

Das fühlt sich manchmal sehr unromantisch an, daher haben wir schon früh unsere wöchentlichen Date-Abende eingeführt, an denen wir gemeinsam Essen gehen. An diesen Abenden kommt unsere Haupt-Babysitterin ab Nachmittags, und ich habe einen langen Arbeitstag und anschließend ein Abendessen in einem Restaurant mit meinem Mann. Grundsätzlich bringt mein Mann morgens unsere Tochter in die Kita, und ich hole sie nachmittags wieder ab. Dann habe ich ca. 3 Stunden mit ihr, bis mein Mann wieder übernimmt. Wenn er sie ins Bett bringt, setze ich mich meistens nochmal für 1-2 Stunden ins Büro. Am Wochenende arbeite ich nur in Notfällen (Messen, Kampagnensteuerung), denn ansonsten bekomme ich nur schlechte Laune.

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Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

Lass Deine Idee erstmal sacken und fange an, gut darüber zu recherchieren. Wenn dein gutes Bauchgefühl bleibt, erzähl es deinen engsten Freunden und Verwandten. Und dann musst Du die Kritik sammeln und weiter verarbeiten. Wenn du weiter dran glaubst, ist der richtige Zeitpunkt zum Starten.

Die Devisen lauten:

  • Immer Rat holen und sich nicht doof dabei vorkommen. Es war für alle irgendwann das erste Mal.
  • Von Anfang an die Zahlen im Blick behalten, die lügen nicht.
  • Hey, Du bist Mutter – also, schon ein erwiesener Top-Manager.

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Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

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  1. Gute Planung von Familien- und Arbeitszeit (und sich auch daran halten)
  2. “Verantwortung übertragen“ und Delegieren, da ich daran glaube, dass das sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit als auch die Arbeitsleistung verbessert
  3. Zahlen, Daten, Fakten lügen nicht: von Anfang an ein gutes dashboard bauen, die Cashflow-Planung regelmäßig anpassen und auch mal einen Experten drauf schauen lassen
  4. Sich selbst auch mal loben und belohnen- das kommt leider häufig zu kurz

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Bilder: Esther Eisenhardt

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