Séverine Bonini | Redaktion | 2 Kinder

MomPreneurs Séverine Bonini Mededition

Séverine Bonini | Redaktion | 2 Kinder

Dieser tägliche Tanz auf dem Vulkan macht mich glücklich und zufrieden.

 

Wer bist du, was machst du und warum?

Ich heiße Séverine, bin 42 und seit fünf Jahren eine Schweizer Mompreneurin. Wie es dazu kam? In der Schweiz gibt es nur 14 Wochen Mutterschutz und keine Elternzeit, ich arbeitete nach der Geburt des ersten Kindes also 80% weiter. Als ich fünf Jahre später mein zweites Kind bekam, war mir klar, dass ich dieses Pensum außer Haus nicht mehr hinkriegen würde. Immer wieder ist ein Kind krank oder braucht mich. Das wollte ich nicht verpassen. Ich machte mich 2014 mit dem Fachverlag medEdition selbständig und arbeite seither vom Homeoffice aus. Daneben blogge ich als Mama on the rocks über die Themen Vereinbarkeit, Reisen, das Leben als Ü40-Mama und organisiere den jährlichen Schweizer Bloggerkongress Swiss Blog Family.

Séverine Bonini mit medEdition Logo

In einem Satz: Was ist deine CRAZY Mission, das Wichtigste, was du für dich & andere bewirken möchtest?

Karriere und Kinderkriegen sollten sich nicht ausschließen. Damit verbunden sollte es in der Schweiz endlich einen echten Vaterschaftsurlaub geben.

Was läuft bei dir als Mutter und Unternehmerin anders und warum ist das CRAZY?

Zunächst einmal war für mich der Moment crazy als ich realisierte: Ich arbeite und bin Mutter, und nicht: Ich bin Mutter und arbeite. Es war ein langer Weg, damit meinen Frieden zu finden. Die Ansprüche der Gesellschaft haben immer an mir genagt, dass ich doch bitte eine zufriedene Mutter zu sein habe und nicht so viel arbeiten sollte.

MomPreneurs Séverine Bonini Crazy Portraitfotos

Crazy ist zudem, dass ich mit meinem Arbeitsmodell total erfolgreich bin: Ich verdiene mehr als mein Ehemann, sehe aber trotzdem die Kinder jeden Tag, koche für sie, höre mir ihre Sorgen an, tröste, bin einfach da. Dafür arbeite ich aber auch mal nachts oder am Wochenende. Ich kenne keine wirklichen Pausen. Das zehrt auch mal ganz schön an den Nerven.

Wie sieht Erfolg für dich persönlich aus und was ist dein Weg dorthin?

Erfolg ist für mich der Luxus, meinen Weg so gehen zu dürfen, wie ich ihn für richtig halte. Und mein persönlicher Erfolg als Workaholic ist auch, am Abend die Arbeit ruhen lassen zu können, um ganz mit den Kindern zu sein. Das war in den ersten zwei Jahren meiner Selbständigkeit nicht gegeben, da habe ich jede Nacht bis nach 23 Uhr gearbeitet, um auf einen grünen Zweig zu kommen. In dieser Zeit hat mein Mann viel der Care-Arbeit übernommen.

Séverine Bonini medizinische Zeitschriften und Mama on the Rocks Logo

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es, den alltäglichen MomPreneurs-Wahnsinn irgendwie zu meistern?

Ich arbeite von zuhause aus, mit PC und Handy, in einem kleinen Zimmer. Im Verlagswesen lässt sich sehr viel über den Computer regeln, sodass ich nicht physisch vor Ort sein muss. Mein Team arbeitet ebenfalls zum großen Teil dezentral von zuhause aus – die Redaktion ist sowieso meistens an Kongressen oder für Interviews unterwegs. Der eingesparte Arbeitsweg ist zudem Gold wert.

Sobald die Kinder morgens aus dem Haus sind, setze ich mich an den Computer und lege los. Wenn ich mal nicht weiter weiß, spiele ich auf der Klarinette oder gehe ins Fitnesscenter – während der Arbeitszeit. Ich habe realisiert, dass ich nicht produktiver bin, wenn ich nonstop am PC sitze: Die Pausen tun mir und in der Folge der Qualität meiner Arbeit gut. Diese Freiheit nehme ich mir.

Séverine Bonini beim Sport und Billardspielen

Welche Top 3 Tipps & Tools bringen dir wirklich CRAZY Ergebnisse im Business oder erleichtern dir deinen CRAZY MomPreneurs-Alltag am meisten?

Ich führe Listen…. Wochenlisten und Tageslisten. Wenn ich etwas an einem Tag nicht erledigen kann, kommt es auf die Wochenliste, damit es aus meinem Kopf ist. Ansonsten habe ich einen Tagesplan, den ich abarbeite. Das Durchstreichen eines To-dos bringt Befriedigung und Ordnung im Kopf. Natürlich gibt es mittlerweile digitale Listen wie Trello oder Wunderlist. Aber ich mache nunmal Printmagazine – und so funktioniert auch mein Kopf besser mit haptischen Listen.

Wer im Homeoffice arbeitet, ist zudem immer gefordert, sich nicht im „Home“ zu verlieren. Den Haushalt habe ich an eine Putzfrau ausgelagert, sodass ich mich 100% auf die Arbeit konzentrieren kann. Dinge, die mich sonst im Haushalt stören, muss ich während der Arbeit ausblenden. Die Wäsche liegt noch rum? Dann bleibt sie eben liegen.

Séverine Bonini bei der Arbeit

Mein dritter Tipp: Nur weil man selber zuhause arbeitet, sollte die Aufteilung der zusätzlichen Kinderbetreuung trotzdem nicht automatisch zulasten der arbeitenden Ehefrau ausfallen, nur weil sie „ja eh zuhause ist“. Das Kind ist krank? Da ist die Frage nicht mehr: Wer bleibt zuhause?, sondern: Wer hat weniger zeitsensitive Projekte/Meetings am Laufen?

Wie können wir in unserer Gesellschaft mehr CRAZY MomPreneurship ermöglichen – welche Rahmenbedingungen braucht es dafür?

In der Schweiz müssen Kitas bezahlbar werden – damit es sich für Frauen lohnt, weiter zu arbeiten oder sogar Mompreneur zu werden. Deshalb sollten Kitas subventioniert oder ins Schulsystem integriert werden. Dasselbe gilt für das Thema Tagesschulen. In der Schweiz ist es heute noch Usus, dass die Mama zum Mittagessen zuhause ist und kocht. Dieses Bild stammt noch aus einer anderen Zeit.

Séverine Bonini und ihr Avatar

Zudem sollte es für Männer attraktiver und realistischer werden, Teilzeit zu arbeiten. Mein Mann ist Wirtschaftsinformatiker, eine Stelle mit einem Pensum unter 80% ist undenkbar in seiner Branche. Aber warum eigentlich?!

Dein wichtigstes Learning als MomPreneur für andere MomPreneurs?

Vereinbarkeit ist eine Utopie. Als arbeitende Mutter ist man IMMER zwischen Tür und Bank. Als Mompreneur im Homeoffice hat man oft das Nachsehen, wenn der Mann irgendwo angestellt ist und eben nicht schnell einspringen kann. Dafür sehe ich meine Kinder jeden Tag, kriege alle Sorgen mit, muss mich mit keinem Chef absprechen, sondern bin einfach da, wenn sie mich brauchen. Sie kommen immer zuerst!

Séverine Boninis Kinder

Und trotzdem bin ich eine erfolgreiche Verlegerin. Dieser tägliche Tanz auf dem Vulkan macht mich glücklich und zufrieden. Davon abgesehen kommen die Kinder nach eigener Ansicht sowieso immer zu kurz („immer!“). Aber wer gerne arbeitet, sollte sich nicht daran hindern lassen, sich seinen Traum zu verwirklichen. Eine erfüllte Mutter ist eine gute Mutter. Ich liebe nicht nur meine Kinder, sondern auch meine Arbeit. Das ist doch schön, denn Geld bringt es auch noch.

Links

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Website: swissblogfamily.ch
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