Sonja | Tourismus | 3 Kinder

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Sonja | Tourismus | 3 Kinder

Wer bist du und was machst du?

Ich heiße Sonja Alefi und lebe mit meinem Mann und meinen drei Töchtern (5, 6 und 10 Jahre) in München. Wir sind eine kunterbunte Großfamilie  – mein Mann stammt aus Afghanistan und meine Kinder sprechen neben Deutsch auch Dari.

Und ich bin wohl das, was man als Globetrotterin bezeichnen würde. Nach dem Abitur habe ich ein Jahr in Bangladesch gelebt, nach meinem Studium in Mexiko und Barcelona gearbeitet. Mit der Familiengründung wurde das zwar etwas komplizierter mit dem Reisen, aber inzwischen habe ich die ganze Familie – auch die drei kleinen „Globe-Toddler“ – mit dem Fernwehvirus infiziert.

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Da habe ich mein Hobby im Oktober 2015 zum Beruf gemacht und meine Seite www.littletravelsociety.de gegründet. Little Travel Society ist eine handverlesene Sammlung von schicken Ferienhäusern, Familienhotels und kleinen inhabergeführten Hotels, in denen auch Kinder willkommen sind.  Wir nehmen nur kinderfreundliche Unterkünfte aus der ganzen Welt auf, in denen wir selbst wohnen wollen würden. Auf meiner Seite finden Familien aber auch Mini-Reiseführer sowie Tipps & Tricks für das Reisen mit Kindern. So exklusiv wie sich das anhört, ist es aber nicht – wir bemühen uns, für jeden Geldbeutel das Passende zu finden.

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Unsere Empfehlungen zu Hotels und Reisezielen sind immer mit einem Augenzwinkern über den (Urlaubs-)Alltag mit Kindern geschrieben. Wir schreiben außerdem auch über das, was uns nicht so gut gefällt. Keine Unterkunft ist perfekt und wir sind der Meinung, dass man doch lieber vor dem Urlaub wissen sollte, auf was man sich einlässt. Ob es streichelwillige Katzen gibt, mehr als 2 Kinder ins Zimmer passen, welche Zimmer zur Straße liegen und ob der Gastgeber Gitarre spielen kann – das kann man alles bei uns nachlesen.

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet und wie hast du das finanziert?

Die besten Geschäftsideen entstehen ja meist, wenn man versucht, ein eigenes Problem zu lösen. Und so war es auch bei mir! Nachdem ich mal wieder nächtelang sogenannte Fun-Resorts mit tanzenden Maskottchen auf Blümchenteppichen und Boutique Hotels mit No-Kids-Policy durchforstet hatte, dachte ich bei mir: Das Problem habe ich doch bestimmt nicht allein! Denn es gibt sie ja, die hübschen, coolen und stylischen Hotels, in denen auch Familien willkommen sind. Nur diese zu finden, ist ein unglaublicher Rechercheaufwand. Und so war meine Geschäftsidee geboren: Eine Seite mit ausgesuchten Hotel-Empfehlungen von Eltern für Eltern, die ehrlich sind und wichtige Familienfakten auf einen Blick darstellen. Ein Win-Win für Familien und Hotels! Denn die besonderen Hotels gehen so nicht in der Booking.com-Hotelflut verloren und die Familien müssen sich nicht mühsam durch unpassende Hotelangebote wühlen.

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Da ich als ehemalige Investmentmanagerin für einen Social-Impact-Fonds Erfahrung mit Finanzierung hatte, war mir aber sofort klar: Ich möchte mein Business selbst finanzieren – schließlich bin ich nicht Unternehmerin geworden, um wieder jemandem berichten zu müssen. Lieber kleine Brötchen backen zu Anfang und langsam wachsen, war daher mein Motto. Ein Geschäftsmodell im Internet wie das meine eignet sich dafür natürlich besonders gut. Also habe ich eine kleine Summe aus einer alten Lebensversicherung genommen, beim Arbeitsamt einen Gründungszuschuss ergattert und alles, was ich verdient habe, gleich wieder in Little Travel Society gesteckt. So bin ich ohne Kredit und Investoren über die Runden gekommen. Und mein Mann hat sich zum Glück bereit erklärt, das Familienbudget für die ersten Jahre allein zu bestreiten – so hatte ich genügend Zeit, um es bis zum Break-Even ohne Finanzierung von außen zu schaffen.

Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

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Die ersten eineinhalb Jahre habe ich für umsonst gearbeitet. Ich habe die Hotels kostenlos aufgenommen und in alle Richtungen die Werbetrommel gerührt – PR, SEO-Optimierung, eine Social-Media-Community aufbauen – das ist Knochen-Arbeit und braucht Zeit. Ich konnte ja schlecht den Hotels sagen: „Ich habe zwar nur 300 Besucher auf meiner Seite, Ihr zahlt jetzt aber mal eine jährliche Listingfee“. Ich muss zugeben: Das war schon ziemlich zermürbend manchmal. Ich wusste ja die ganze Zeit nicht: Zahlt sich das aus?

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Wird die Seite jemals so groß werden, dass auch nur ein Hotel dafür bezahlen möchte? Nach 1,5 Jahren war es dann so weit: Der erste zahlende Kunde! Nach diesen ersten kleinen Sales-Erfolgen habe ich dann noch Mal richtig viel Geld und Zeit in die Hand genommen, um alles neu aufzusetzen. War hart – das erste verdiente Geld war damit dann auch gleich wieder weg. Es hat sich aber ausgezahlt! Heute – 2 Jahre später – bin ich bei 63.000 Klicks im Monat, bei 20.000 Unique Visitors, bei knapp 10.000 Facebook-Fans und etwa 100 Hotels. Und dabei soll es natürlich nicht bleiben! Gerade strukturiere ich meine Seite noch mal etwas neu, um noch besser gefunden zu werden. Ich sehe mein endgültiges Umsatzziel in 3-4 Jahren erreicht wenn 400-500 Hotels auf meiner Seite zu finden sind. Und ich bin da sehr zuversichtlich inzwischen.

Wo und wie arbeitest du?

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Ich habe mit meinem Mann zusammen ein Büro in der Innenstadt, das ich aber selten nutze. Einfach, weil ich die verlorene Zeit auf der Hin- und Rückfahrt im Stau sinnlos finde und am liebsten mit einem Tee auf der Couch arbeite. Und ich habe gar kein Problem damit, wenn sich dabei das Geschirr in der Küche stapelt – beim Arbeiten bin ich haushaltsblind. Ich habe ein tolles, tolles Team aus freien Mitarbeitern für Sales, IT und die Texte und eine Minijobberin. Da es so viele Teilzeitmamas sind und alle nur virtuell zusammenarbeiten, war die Koordination zu Anfang eine echte Herausforderung.

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Da hat mich das kostenlose Projektmanagement-Tool Trello wirklich gerettet. Als Server nutzen wir einen günstigen Cloud-Speicher (ähnlich wie Dropbox), unsere Meetings finden meist über Skype-Calls statt und für schnelle Fragen und Plaudereien nutzen wir den Skype-Chat. Daher ist meine Infrastruktur sehr schlank und meine Fixkosten sind gering. Ich glaube, dass viele – auch größere Unternehmen –  so arbeiten könnten. Ergebnisorientierte virtuelle Teams, in denen sich die Teammitglieder Arbeitsort und –zeit aussuchen können – wir Mompreneurs machen es doch vor! Oft liegt es nur am alten Statusdenken, dass so viel Geld sinnlos in teure Büroräume mit fancy Bürostühlen, Firmenwagen und Teamassistentinnen verpulvert wird.

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Wie viele Gründerinnen habe ich zwei Jobs zu jonglieren. Das Familienmanagement und mein Business. Von 8-15/17 Uhr kümmere ich mich um Little Travel Society, dazwischen um Hunger, Pipi und Co. und von 21-0 Uhr beginnt meist meine „zweite Schicht“ für Little Travel Society.

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Ich habe aber aufgegeben, alles unter einen Hut zu bringen. Manchmal lugt eben hinten und vorne was raus. Ich weiß nicht genau, welche Fächer meine Töchter am Dienstag haben, die Wäscheberge im Keller sind oft mannshoch und ich backe selten Kuchen für den Schul-Weihnachtsmarkt (und halte die bösen Blicke aus). Was mir aber wichtig ist: Dass ich Laptop und Telefon auch mal weglegen und nur für meine Töchter da sein kann. Dafür haben sie auch Verständnis, wenn es wirklich mal brennt und ich nachmittags am Wohnzimmertisch in die Tasten hauen muss.

Ich bin ja immerhin da und greifbar als Mama. Und zwar mehr und flexibler als vorher im Angestelltenverhältnis als ich wesentlich weniger Stunden gearbeitet habe. Mein Mann ist übrigens als Unternehmensberater leider unter der Woche kaum vorhanden. Ich kann also alle Mütter beruhigen, die nicht ein Exemplar der viel gelobten Super-Ehemänner abbekommen haben, die das Familienmanagement wuppen während Mama das Unternehmen voranbringt. Es geht auch ohne. Klar, jede Mutter – gerade mit kleinen Kindern – braucht auch mal Hilfe von außen – bei mir ist das meist meine Mutter. Aber meine Erfahrung ist, dass auch andere Mütter gerne mal einspringen wenn „Not an der Frau“ ist. Ein gutes Netzwerk, das aus Geben und Nehmen besteht, ist das A und O für Working Moms.

Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

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Wenn man gründet, ist der letzte Gedanke vor dem Einschlafen und meist auch der erste nach dem Aufwachen das neue Business. Du musst das, was du tust, wirklich lieben, um das auszuhalten! Mir macht es einfach nichts aus abends statt fern zusehen, über schicke Boutique Hotels zu schreiben und schöne Urlaubsziele zu recherchieren. Daher stressen mich die Nachtschichten auch (meist) nicht. Und: man kann alles lernen wenn man nur will – auch mit knapp 40 ist es dafür nicht zu spät. Bevor ich meine Seite www.littletravelsociey.de gegründet habe, hatte ich überhaupt keine Ahnung von SEO, der Tourismusbranche und Webseiten.

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Und die Sterne standen zudem denkbar schlecht für mich: Tourismus ist wahrscheinlich neben Versicherungen der am härtesten umkämpfte Markt im Internet. Aber ich wusste wo ich hinwollte. Also: Lass dich nicht entmutigen, wenn du von deiner Geschäftsidee überzeugt bist! Auch die Umwege und Sackgassen, das viele versenkte Geld in schlechte Beratung oder falsche Marketingkanäle – das gehört alles dazu. Als Mompreneur bist du wie ein kleines Kind: Du lernst laufen, kippst um, rappelst Dich wieder auf, stolperst voran, schlägst dir auch mal den Kopf übel auf. Aber nach jedem Mal Aufstehen wirst du kräftiger und geschickter. Nur Liegenbleiben darf man halt nicht und Angst vorm Hinfallen sollte man auch nicht haben – da können wir von unseren kleinen Mäusen noch was lernen!

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Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

  1. Bettlektüre für Mompreneurs: Auch wenn ich gar nicht begeistert bin, wie wenig sie sich öffentlich gegen Trump gestellt hat – das Buch „Lean in“ von Sheryl Sandberg muss man einfach gelesen haben. Im Grunde ist ihre Message: Das (Arbeits-)Leben ist hart und ja, als Frau wird dir nichts geschenkt. Lebe damit, verstehe das System und nutze es zu deinen Gunsten.
  2. Gute Leute finden: Eine Idee ist nicht viel wert, wenn du kein gutes Team hat, um sie umzusetzen. Und gute Leute zu finden – sei es für die Buchhaltung, IT oder Marketing – das ist nicht leicht! Mir hat da gerade zu Anfang – als ich noch gar nicht wusste wo ich überhaupt ansetzen soll – die Mompreneurs Facebook-Gruppe unglaublich geholfen (mich hat keiner gezwungen,  das hier zu schreiben. Ich schwöre….). Ich habe dort sogar eine wirklich gute ITlerin gefunden. Und zu Anfang meine Designs in die Gruppe zu werfen und mir konstruktive Kritik abzuholen – das war Gold wert!
  3. Joggen und Badewanne: Als Mompreneur hat man eines meist nicht: Zeit, um sich „verwöhnen“ zu lassen. Wenn mir alles Mal zu viel wird, verziehe ich mich daher in ein heißes Schaumbad und oder gehe Joggen. Sozusagen Instant-Wellness und Fitness-Studio „to-go“ für gestresste Mütter…

 

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Links:

Website: https://www.littletravelsociety.de

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Youtube: https://www.youtube.com/channel/UC-ah3DPxv6cbecrVuareW3Q/featured

Link zu einem Video, das ich bei einem Rechercheaufenthalt im Beach Motel in Heiligenhafen gemacht habe: https://youtu.be/fqxxo_UVE9w

Link zu einem Video, das ich während unserer Tour durch Portugal im Frühjahr 2017 gemacht haben. Auf dieser Tour haben wir neue Hotels für Little Travel Society eingesammelt: https://youtu.be/XEZXdgoGYyI

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1Kommentare
  • Patrizia Spuler
    Posted at 16:20h, 08 Dezember Antworten

    Geniale Idee Sonja. Ich suche auch immer Ewigkeiten nach schönen familienfreundlichen Boutiquehotels. Freu mich, dass ich auf deine Seite gestossen bin 🙂
    Liebe Grüsse aus der Schweiz. Patrizia

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