Stefanie | Medien | 2 Kinder

Stefanie | Medien | 2 Kinder

Werft die Selbstzweifel über Bord.

Wer bist du und was machst du?

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Ich bin Stefanie Bilen, Co-Gründerin und Geschäftsführende Redakteurin von SAAL ZWEI, einem Online-Business-Magazin für Frauen. Zusammen mit meiner Geschäftspartnerin Nicole Mai habe ich 2011 SAAL ZWEI ins Leben gerufen, weil wir eine Lücke in der Medienlandschaft gesehen haben: Die Wirtschaftspresse war bzw. ist sehr männerdominiert und die klassischen Frauen-Magazine beschränken sich überwiegend auf Klamotten, Kosmetik und Kochen. Bei SAAL ZWEI wollen wir den vielen Frauen eine Bühne geben, die erfolgreich im Beruf sind – egal ob als Vorstandsfrau, Gründerin oder Angestellte. Wir schreiben über Themen, die solche Frauen interessieren – von Selbstmarketing über Gehaltsverhandlungen bis zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie -, zeigen jede Woche Role Models und bieten Weiterbildungsformate sowie Veranstaltungen an, bei denen die SAAL ZWEI-Community sich vernetzen kann. Das alles nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Leichtigkeit und einem Augenzwinkern.

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet? Und wie hast du das finanziert?

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Eigentlich war SAAL ZWEI als wöchentlicher redaktioneller Newsletter gedacht, in dem wir wie ein Scout Spannendes aus deutsch- und englischsprachigen Medien kuratieren – garniert mit exklusiven SAAL ZWEI-Interviews. Daraus ist mittlerweile eine umfangreiche wöchentliche Ausgabe mit Portraits, Gastbeiträgen, Kolumnen und Interviews entstanden, so dass wir uns inzwischen fast ausschließlich um SAAL ZWEI kümmern, zusammen mit einer Teilzeitbeschäftigten. Wir bieten unter unserer Marke Seminare für Frauen und Jugendliche an, laden regelmäßig zu SAAL ZWEI lokal-Veranstaltungen und nutzen unser Knowhow über unsere Zielgruppe, um Unternehmen bei Diversity-Aktivitäten, Mentoring-Programmen etc. zu beraten und unterstützen. Eine weitere Einkommensquelle ist Werbung in unserem Online-Magazin.

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Wie läuft es jetzt? Was hast du erreicht und wodurch? Was macht das „liebe“ Geld?

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Es liegen sehr intensive und arbeitsreiche Jahre hinter uns. Da wir SAAL ZWEI neben unseren eigentlichen Jobs gestartet haben – ich habe als Wirtschaftsjournalistin für brand eins, FAZ, Financial Times Deutschland, Harvard Business Manager oder Handelsblatt geschrieben –, gab es lange eine Doppelbelastung. Fünfzig bis sechzig Arbeitsstunden pro Woche kamen regelmäßig zusammen. Um das mit zwei kleinen Kindern zu vereinbaren, fiel ständig Abend- und Nachtarbeit an. Aber das positive Feedback – sowohl von Leserinnen als auch von Journalisten-Kollegen – hat uns bestärkt und immer wieder für Energieschübe gesorgt. Wir haben unser Erspartes investiert und inzwischen merken wir, dass sich SAAL ZWEI etabliert hat. Die positive Entwicklung freut uns sehr und gibt uns weiter Rückenwind.

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Wo und wie arbeitest du?

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Wir haben unser Büro in einer Gemeinschaft mit verschiedenen Medienschaffenden an der Hamburger Außenalster. Die Art Directors, die unser Webdesign entwickelten, sitzen beispielsweise auf derselben Etage. Das gefällt es gut, weil man auf dem kurzen Dienstweg Fragen klären und Ideen verwirklichen kann. Der Abstand zum heimischen Schreibtisch ist mir wichtig. Ich bin nicht dafür geschaffen, ausschließlich im Home Office zu arbeiten, auch wenn ich es regelmäßig freitags mache. Ich brauche es, zusammen mit meinem Mann und meinen Kindern das Haus zu verlassen – oder sogar vor ihnen. Ich arbeite in der Regel zwei Tage ohne zeitliche Limits, an den restlichen Tagen versuche ich, morgens um sechs ins Büro zu fahren. So habe ich einiges geschafft, wenn ich um 16 Uhr Feierabend mache. Trotzdem gehört es dazu, dass ich mich abends nochmal ein paar Stunden an den Rechner setze, wenn meine Kinder im Bett sind.

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Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

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Arbeits- und Familienzeiten versuche ich, voneinander zu trennen. Wenn ich abends oder am Wochenende bei meinen Kindern bin, gehe ich nicht ans Handy und versuche auch nicht, nebenbei noch Mails zu schreiben. Das bin ich ihnen schuldig, finde ich – und das fordern sie auch ein. Dadurch, dass mein Mann viele Stunden arbeitet und regelmäßig verreist und auch ich viel weg bin von Zuhause – d.h. neben der Büroarbeit häufiger reise oder Abendtermine wahrnehme –, sind wir auf Unterstützung jenseits des Schulhortes angewiesen. Mein Mann holt unsere Kinder an einem Nachmittag ab, und wir haben ein Netzwerk von Helfern, bspw. die Großeltern und ältere Nachbarn, die jede Woche fest verabredete Nachmittage mit unseren Kindern verbringen. Darüber hinaus gibt es zwei Babysitter, die abends übernehmen können. Aktuell verbringe ich zwei Nachmittage mit meinen Töchtern, aber tatsächlich haben wir diesen Plan schon häufig geändert, weil sich immer wieder neue Konstellationen ergeben. Es ist schön festzustellen, dass unsere Mädchen mit zunehmendem Alter zudem immer selbstständiger werden. Sie sind jetzt 7 und 9 und kommen auch mal ohne ‚die Großen‘ aus, wenn sie mit ihren Freundinnen oder miteinander beschäftigt sind.

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Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

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Zeit für den Job, Zeit für die Kinder, Zeit für die Partnerschaft, Zeit für Dich. Auch wenn es immer Phasen gibt, in denen das ein oder andere zu kurz kommt, sollte unter dem Strich jede Einheit zu ihrem Recht kommen. Sonst gerät das Gefüge aus dem Gleichgewicht. Und in Bezug aufs Gründen: Machen! Nicht so viel hadern! Selbstzweifel über Bord! Nicht naiv agieren, aber auch nicht jede Chance gedanklich zunichtemachen. Auf geht’s!

Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

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1. Meide den Kontakt zu Menschen, die Deinen Lebensentwurf nicht tolerieren und Dir womöglich ein schlechtes Gewissen machen. (Im Falle der eigenen Familie: Verbitte Dir gut gemeinte Ratschläge.)

2. Vernetze Dich mit Gleichgesinnten (bspw. Working Moms in sechs Städten oder Mompreneurs) und tausche Dich mit Gründerinnen aus (bspw. Digital Media Women).

3. Vergiss Dich selbst dabei nicht! Ich schreibe mir jeden Freitag eine Verabredung mit dem Fitnessstudio in den Kalender und verreise jedes Jahr eine Woche mit meiner Freundin. Unser Highlight war bislang New York in der Vorweihnachtszeit, kürzlich waren wir in Madrid.

4. Denk an Deine Partnerschaft: Wir haben eine ‚Zeit für uns-Karte‘, die wir einander abwechselnd zustecken. Wer im Besitz der Karte ist, muss sich binnen eines Monats ein Programm für einen Abend oder einen Wochenendtag überlegen, mit dem er den andere überrascht. Egal ob Picknick am Alsterlauf, Kat-Segeln an der Ostsee oder Sauna-Tag in der Therme: Es ist Zeit mit und Wertschätzung für den anderen. Natürlich obliegt die Organisation der Kinderbetreuung ebenfalls dem Karteninhaber.

Links

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Website: https://www.saalzwei.de/ und https://www.saalzwei.de/akademie/
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Twitter: https://twitter.com/SAALZWEI
Xing: https://www.xing.com/profile/Stefanie_Bilen

Bilder: Stefanie Bilen

 

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