Stephanie | Handel | 2 Kinder

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Stephanie | Handel | 2 Kinder

Starke Nerven behalten

 

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Stephanie Raatz, Mitgründerin von wool candy Berlin und Mutter von zwei Kindern. Auf dem Foto neben mir seht ihr meine Mutter Carola, sie ist meine Partnerin und ein echter Grandmompreneur. Bei wool candy Berlin bekommt ihr schöne und hochwertige Strickmode für eure Kinder, die auch für sensible Kinderhaut geeignet ist – und nicht kratzt! Wir fertigen zu 100 % in Deutschland und verwenden für unsere Strickteile ausschließlich zertifizierte Bio-Garne (reine Baumwolle im Sommer, reine Schurwolle im Winter).

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet und wie hast du das finanziert?

Meine Mutter strickt schon, so lange ich denken kann – seit einigen Jahren auch für ihre vier Enkelkinder. Meine Schwester und ich wurden immer wieder auf die schönen Teile angesprochen, die in unserer Familie von Kind zu Kind weiter gegeben werden. Wir wussten aus eigener Erfahrung, dass es nur wenig Strick für Kinder in hochwertiger Qualität, aus nachhaltiger Herstellung und mit schönem Design gab. Vor allem vermissten wir schöne Stricksachen aus reiner Schurwolle, die so viele positive Eigenschaften hat. Also beschlossen wir, es professionell aufzuziehen.

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Eigentlich bin ich gelernte Steuerberaterin, ich habe von 1996 bis 2013 als Angestellte in diesem Beruf gearbeitet. Seit wir Kinder haben, ließ sich jedoch meine Arbeit nicht immer mit meiner privaten Situation vereinbaren und machte mir zunehmend auch keinen Spaß mehr. Also habe ich Ende 2013 meinen Job gekündigt und wir haben Anfang 2014 unser Familienunternehmen gegründet.

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Anfangs habe ich viel recherchiert, denn wir hatten von Textilwirtschaft überhaupt keine Ahnung. Dabei bin ich auf die grausamen Methoden gestoßen, unter denen die Schafe bei konventioneller Haltung zu leiden haben. Neben der schlechten Behandlung der Tiere finden wir es unverantwortlich, dass viele ungesunde Chemikalien in den Garnen landen, die wir hinterher auf unserer Haut tragen. Das gilt übrigens für Baumwolle genauso wie für Wolle. Deshalb verwenden wir nur zertifizierte Bio-Garne. Mein Sohn hat Neurodermitis, unsere Stricksachen kann er aber trotzdem auf bloßer Haut tragen – auch die aus Schurwolle!

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Es ist uns ein besonderes Anliegen, in Deutschland zu produzieren. Glücklicherweise haben wir Menschen gefunden, die mit viel Engagement unsere Entwürfe umsetzen. Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der fast alle großen Labels in Asien produzieren. Es ist auch nicht immer einfach – die Produktion ist natürlich teurer als im Ausland und nicht jeder kann oder will diesen Mehrwert bezahlen.

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Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Wir verkaufen unsere Kollektionen in unserem Online-Shop und über Händler in Deutschland, Österreich, den USA und China. Wir haben eine stetig wachsende Fangemeinde, sind aber trotzdem immer noch ein „Geheimtipp“. Das zu ändern, ist zeit- und kostenintensiv und manchmal kommt die kreative Arbeit, die ich am allerliebsten mache, zu kurz. Aber die PR-Arbeit der letzten Jahre zahlt sich langsam aus – wir bekommen inzwischen selbständige Anfragen von Journalisten, ohne sie vorher kontaktiert zu haben.

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Weil wir beide keine Expertinnen für Textilwirtschaft sind, haben wir natürlich auch Fehler gemacht, die Anfängern eben passieren. Beispielweise hatten wir zu wenig Garn bestellt und mussten dann kleine Mengen zu hohen Preisen nachordern.

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Bei allem Stress muss ich sagen, dass mich meine Arbeit glücklich macht. Jedes Mal, wenn ich neue Muster bekomme oder Kollektionsteile auspacke, freue ich mich, wie schön unsere Entwürfe umgesetzt wurden. Wir bekommen auch viel positives Feedback, das freut uns sehr und ermutigt uns natürlich auch, weiter zu machen. Aber bis sich das finanziell lohnt, dauert es sicher noch ein paar Jahre.

Wo und wie arbeitest du?

Wir arbeiten im Homeoffice. Da wir mit meinem Eltern gemeinsam in einem Haus leben, ist das unkompliziert und effektiv.

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Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Mein Mann und ich teilen uns die Hausarbeit und die Zeit mit den Kindern. Er bringt morgens die Kinder in die Kita bzw. Schule, ich hole sie nachmittags ab. Neben meinen Eltern, die mit uns in einem Haus leben, habe ich auch noch nette Schwiegereltern, die sich gerne um die Kinder kümmern.

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Ich versuche, die Freizeit-Termine der Kinder so zu legen, dass ich zusätzlich freie Nachmittage habe. Dazu stimme ich mich mit anderen Eltern ab. Momentan arbeite ich auch abends und an den Wochenenden. Mein Mann kümmert sich dann zwar um die Kinder, aber ich hätte es schon gerne anders.

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Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

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  • Visionärin sein, an die eigene Idee zu glauben.
  • Sich darüber im Klaren zu sein, dass nicht jeder die eigene Idee so toll findet wie man selbst und man auch viel Kritik einstecken können muss.
  • Starke Nerven zu behalten und gelassen zu bleiben, auch wenn es schwierig wird oder man vollkommen überfordert ist.
  • Sich einen Tag in der Woche zu gönnen, an dem man nicht arbeitet und nur das tut, wozu man Lust hat. Oder zumindest einen Vormittag. Ohne Familie natürlich.

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Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

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  1. Eine gute Planung mit klaren Aufgaben und Zielen, immer eine Woche im Voraus.
  2. Eine oder zwei Personen, die man im Notfall anrufen und um Kinderbetreuung bitten kann (z.B. andere Eltern aus der Kita oder Schule, die in einer ähnlichen Situation sind, so dass man sich gegenseitig unterstützen kann).
  3. Sich Hilfe holen über das MomPreneurs-Netzwerk bei Facebook oder lokal – ich bin total begeistert, wie gut das funktioniert und helfe selbst natürlich auch gerne weiter!

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Links

Website: http://woolcandy.berlin

Blog: http://woolcandy.berlin/blog/

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Twitter: https://twitter.com/woolcandyberlin

Bilder: Stephanie Raatz

1 Comment
  • Julia Ickert
    Posted at 01:14h, 01 November Antworten

    Ich glaube an deinen Weg! Ich gründe im gleichen Bereich: nachhaltig, eco und fair allerdings in der DOB. Das wird die Zukunft sein, da sollten wir mit Ressourcen verantwortungsbewusst umgehen.

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