Zwetelina | Sprachberatung | 2 Kinder

Zwetelina | Sprachberatung | 2 Kinder

In der Improvisation steckt viel Potential

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Zwetelina Ortega. Ich bin Sprachwissenschaftlerin und Autorin. 2014 habe ich das Beratungszentrum Linguamulti gegründet. Ich biete Einzelberatung und Workshops für mehrsprachige Erziehung für Eltern, LehrerInnen und KindergartenpädagogInnen. Als Mutter ist mir aufgefallen, dass es gerade für Eltern in diesem Feld noch keinerlei Angebote gab. Ich selbst bin dreisprachig mit Bulgarisch, Spanisch und Deutsch aufgewachsen und meine Tochter erziehe ich auch mit diesen drei Sprachen. Beruflich habe ich viel Erfahrung gesammelt, wie man Mehrsprachigkeit fördert. Zum Beispiel mit dem ersten mehrsprachigen Redewettbewerbs für Jugendliche mit Migrationsgeschichte “Sag’s multi!”, den ich konzipiert habe. Mit diesem Knowhow und meiner Leidenschaft für Sprachen habe ich Linguamulti gestartet. Ein kleinerer Teil des Angebots sind Workshops für Kinder und Jugendliche zu den Themen „kreatives Schreiben“ und „Rhetorik“.

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Woher kam die Idee für dein Business? Wie bist du gestartet und wie hast du das finanziert?

Ich bin weder die geborene Businessfrau, noch wollte ich immer schon mal selbständig sein. Als die Elternzeit mit meiner Tochter zu Ende ging und ich zurück an meinen Job sollte, wollten mich meine Chefs nicht in meine frühere leitende Position zurück haben. Ich merkte schnell: hier kann ich mich beruflich und persönlich nicht mehr weiterentwickeln und sah mich nach etwas Neuem um. Ich machte die Erfahrung: spannende Jobs JA, aber nur wenn das Familienleben nicht im Weg steht. Also „flexibel“ ist das Zauberwort – Überstunden, Abendtermine, etc. All das wollte ich mir und meinem Kind nicht antun.

Mag. Zwetelina Ortega

Spontan sagte ich mir: „Und wenn ich mich selbständig machen würde?“ Langsam begann in mir ein Konzept heranzureifen. Eigentlich reifte es eher ziemlich schnell. In zwei Monaten war Linguamulti aus dem Boden gestampft. Eine Verbindung aus meiner universitären Ausbildung, meinem beruflichen Werdegang und meinen unzähligen persönlichen Erfahrungen als mehrsprachige Person und Mutter. Und alles fühlte sich sehr richtig und gut an. In meinem Business brauchte ich keine großen Investitionen, nur meinen Kopf und einen PC. Dann mietete ich mich in eine Gemeinschaftspraxis ein und bot Eltern-Workshops für mehrsprachige Erziehung an. Es meldeten sich tatsächlich die ersten Kunden an. Danach folgten Aufträge für Kindergärten, Grundschulen, etc.

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Wie läuft es jetzt? Haben sich deine Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Schon im zweiten Monat nach dem Start verzeichnete ich kleine Gewinne mit Linguamulti. Mir ist aber bewusst, dass es noch länger dauern wird, um mein gesetztes Ziel zu erreichen: davon leben zu können. Ich bin froh, dass sich die Firma bereits selbst trägt. Das Feedback der Eltern, mit denen ich bisher gearbeitet habe, ist nur positiv. Ich habe ein wenig damit zu kämpfen, dass ich für Eltern etwas anbiete, was es so in dieser Form nicht gibt. Es ist Fluch und Segen zugleich, denn es ist auf jeden Fall eine Marktlücke, aber so neu, dass es keiner kennt und auch nicht danach sucht. Ich bin trotzdem zuversichtlich, weil mir meine Kunden immer wieder sagen, wie hilfreich der Workshop für sie war und wie toll, dass es ein solches Angebot gibt. Ähnlich ist das Feedback in den Kindergärten und Schulen. Die PädagogInnen sind dankbar, dass ein Profi ihnen unter die Arme greift mit so komplexen Themen wie Sprachentwicklung, Sprachförderung und Identitätsfindung bei mehrsprachigen Kindern.

Ich habe noch viele weitere Ideen und möchte Linguamulti weiterentwickeln. Das kommt bestimmt mit der Zeit. Gerade lerne ich noch sehr viel: was genau brauchen die Eltern, welche Angebote sind weniger gefragt, wo finde ich meine Zielgruppe usw.?

Wo und wie arbeitest du?

Ich arbeite im Homeoffice. Anders würde es weder finanziell, noch zeitlich gehen. Wenn meine Tochter tagsüber im Kindergarten ist, arbeite ich voll konzentriert an meinen Aufträgen. Und ich passe mich den Gegebenheiten an. Wenn sie abends einschläft, nutze ich die Zeit, um etwas zu erledigen. Ich teile mir die Zeit zwischen Kind und Job so ein, dass möglichst keiner zu kurz kommt. An manchen Tagen ist es ganz schön intensiv, da komme ich auch auf meine acht Stunden Arbeitszeit, wenn ich mal eine Abendschicht einlege.

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Ich habe das große Glück, dass meine Mutter und mein Stiefvater von meinem Fach sind. Sie sind Soziolinguisten und haben sich beide mit dem Thema Mehrsprachigkeit wissenschaftlich beschäftigt. Sie sind meine Sparringspartner. Mein Mann ist auch, so wie ich, Sprachwissenschaftler und ein wichtiger Ratgeber. Er unterstützt mich nicht nur moralisch und emotional, auch inhaltlich ist er immer für ein Feedback zu haben.

Wie ist dein Setup und wie schaffst du es Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Ich lebe mit meiner Tochter in Wien, mein Mann lebt aus beruflichen Gründen im Ausland. Das erschwert die familiäre Koordination enorm. Er ist nur am Wochenende zu Hause. Also übernehme ich unter der Woche alles alleine. Und kurz vor der Gründung von Linguamulti habe ich erfahren, dass ich schwanger bin. Ich muss sehr gut planen und das Zeitmanagement ist eine große Herausforderung. Dabei sind mir meine Eltern eine große Hilfe. Sie sind dankbare Babysitter. Mein Vater ist auch selbständig und zeitlich flexibel. Er springt ein, wenn mal die Babysitterin versagt oder sonst wo der Hut brennt.

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Ich habe kein Rezept wie es klappt, aber sehr viel Willen. Anfangs, nach meiner enttäuschenden Rückkehr in den Job, dachte ich, es ist nun mal so, dass man als Mutter beruflich zurückstecken muss; das erwartet mich nun die nächsten Jahre. Aber innerlich trieben mich eine große Energie und ein Gefühl in genau die entgegengesetzte Richtung. Gut, dass ich auf dieses Gefühl und nicht auf meinen Verstand gehört habe.

Was würdest du anderen Müttern raten, die sich selbständig machen möchten?

Es gibt nicht den perfekten Zeitpunkt, den perfekten Zugang. Es gibt immer nur eine Entscheidung, die möglichst gut organisiert ist für alle Beteiligen: dich, deine Familie und dein Business. In der Improvisation steckt viel kreatives Potential – keine Angst davor. Ein Produkt mit starkem Profil anbieten, statt gleichzeitig zwei. Wenn dich jemand schlecht oder ungerecht behandelt, sag es sofort, höflich aber ganz direkt.

Deine Top 3 Tipps & Tools für selbständige Mütter, die Zeit, Geld und Nerven sparen?

1. Das Netzwerk – lass es nie aus den Augen, nicht einmal wenn du untergehst in Arbeit

2. Du bist sehr viel Wert – deshalb kostet dein Produkt seinen Preis

3. Prioritäten- sei schonungslos in der Reihung

4. Verbinde deine Kompetenz mit deinem natürlichem Charme

5. Du bist dir der beste Berater

Links

Website: www.linguamulti.at

Facebook: www.facebook.com/linguamulti

Bilder + Video: Zwetelina Ortega

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