7 Tipps um Soziales und Unternehmerisches zu verbinden

7 Tipps um Soziales und Unternehmerisches zu verbinden

Vor über 10 Jahren kamen wir das erste Mal im Rahmen eines Uni-Projekts mit der Armut in Entwicklungsländern in Kontakt. Wir erfuhren welche Probleme und Schwierigkeiten in diesen Ländern herrschen und dass es kaum möglich ist, die Armut alleine zu überwinden. Seitdem hat uns der Wunsch, das Leben anderer zu verbessern, nicht mehr losgelassen.

Beruflich bedingte Projekte, unsere Promotion über Mikrokredite und verschiedene Reisen durch Entwicklungsländer haben uns immer wieder deutlich gemacht, dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg in der Überwindung der Armut ist.

Gleichzeitig schlägt unser Herz, typisch Frau, für schöne Taschen und Accessoires. Andrea war lange im Design bei Jil Sander und Mulberry tätig. Aber irgendwie fehlte uns in dieser Branche „das Gute“. So entwickelten wir zusammen die Idee für beliya: Taschen und Accessoires für einen guten Zweck. Jedes Produkt ist durch und durch “gut” was die Materialien und die Herstellung angeht. Vor allem aber unterstützt jedes Modell ein Jahr lang die Bildung für ein Kind in Namibia, Tansania oder Burundi.

So verbinden wir Unternehmerisches mit Gutem – Die Kunden haben Freude an unseren Designer Taschen und Accessoires mit dem Wissen, damit einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

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Tipp 1: Das „Warum“ macht den Unterschied – für Menschen und im Wettbewerb

2012 haben wir beliya gegründet und waren damit eines der ersten Sozialunternehmen in der deutschen Mode-Industrie. Wir sind auch ein wenig stolz, dass wir damit dazu beigetragen haben, dass sich daraus ein ganz neues Marktsegment eröffnet hat.

Gerade in einem hoch kompetetiven Markt wie den Designer-Taschen ist es wichtig, einen Unterschied zu machen. Das Angebot ist gefühlt riesig und der Wettbewerbsdruck hoch. Durch unsere Positionierung „Designer-Handtaschen mit gutem Zweck“ heben wir uns von der Masse ab und machen nicht nur für unsere Kunden, die darauf Wert legen und helfen wollen, einen Unterschied, sondern auch für die vielen Kinder in Afrika, denen wir mit unserem Business jeden Tag eine bessere Zukunft ermöglichen.

Um die Kombination aus schönen Taschen und gutem Zweck lässt sich dann mit etwas Phantasie, sehr viel Engagement und Leidenschaft eine einzigartige Idee kreieren: Bei jedem Kauf einer beliya Tasche oder Accessoire geht eine Spende an eine unserer Partnerschulen, damit ein Kind in Afrika ein Jahr lang zur Schule gehen kann. Das Besondere: Die Förderung ist alles andere als unpersönlich. Denn welches Kind diese wertvolle Unterstützung erhält, erfährt die Kundin mit dem Kauf. Der Name befindet sich an der Tasche und die Kundin kann auf der Website (www.beliya.de) ihr Taschenpatenkind sehen und seine Entwicklung verfolgen.

Wichtig ist außerdem die Liebe zum Detail, sodass die Kunden sich gerne an den Kauf zurückerinnern. Dies gelingt zum Beispiel durch liebevoll verpackte Taschen oder handgeschriebene Weihnachtskarten. Überlege doch mal, wie du in deinem Business einen Unterschied machen kannst. Menschen interessieren sich heute nicht mehr für „anonyme“ Unternehmen, sondern für die Menschen und Werte, die dahinter stecken und damit verbunden werden.

Tipp 2: Berufserfahrung als Basis für Selbständigkeit

Für uns war klar, wir möchten erst wichtige Berufserfahrung sammeln, bevor wir uns in die Selbstständigkeit stürzen.

Wir sind beide Betriebswirtinnen und ich selbst sammelte lange Jahre wertvolle Erfahrungen im Bereich Projektmanagement und Strategie bei Mulberry, Jil Sander und Beiersdorf.

Annika sammelte nach Aufenthalten in Brüssel und Washington DC, als PR-und Online-Managerin bei NIVEA und zuletzt als internationale Kommunikationsleiterin bei Schwarzkopf Professional wichtige Erfahrung.

In diesen Jobs lernten wir Verantwortung zu übernehmen, ein Team zu leiten, zu managen und strategisch zu planen. All das gewonnene Wissen kommt uns jetzt zugute.

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Tipp 3: Verbreitung der Idee über Multiplikatoren und öffentliches Interesse

Es reicht natürlich nicht, sich auf die Kunden zu verlassen, die einmal gewonnen sind.
Besonders in den ersten Jahren ist man ständig auf Achse, Networken bei großen Veranstaltungen, Meetings mit eventuellen Kooperationspartnern, Lunchen um bestehende Kontakte zu pflegen und vieles mehr. Die Liste ist endlos und Kontakte sind natürlich immer von Vorteil, egal in welcher Branche man sich einen Namen machen möchte.

Außerdem spielt PR, Social Media, On- und Offline Marketing und Kooperationen eine große Rolle. Wichtig sind gezielte Maßnahmen, welche auf die eigene Zielgruppe abgestimmt sind, um Streuverluste zu verhindern. Aber auch hier hat uns unser „USP“, unser Alleinstellungsmerkmal, geholfen, so dass wir unsere Taschen & Accessoires bereits erfolgreich in der Gala, Grazia, Die WELT, zeit.de, vogue.de und auf SpiegelOnline platzieren konnten.

Darüber hinaus konnten wir verschiedenste Blogger für uns und unsere Idee gewinnen, die deutschlandweit für mehr Aufmerksamkeit sorgen und helfen, strategische Kooperationspartner zu finden. Auftritte im NDR-Fernsehen zeigten, wie gut die Idee in den Medien und bei Kundinnen ankommt und echte Überzeugung bringt auch echte Weiterempfehlungen.

Tipp 4: Gemeinsam mehr bewegen

Mit etwas Glück, gutem Marketing und viel Arbeit gelingt nach einiger Zeit der Durchbruch, oder zumindest steigen die Verkaufszahlen an. Das ist super! Aber als Mütter und MomPreneurs fragt man sich oft, wie man die ganze Arbeit alleine bewältigen soll? Wir haben von Anfang an auf Freiwillige und Praktikanten gesetzt. Ob von der Uni oder Bekannte, die gerade im Sabbatical sind, sie sind alle Teil der sozialen Mission, so dass sie ebenfalls sofort Verantwortung übernehmen können.

Mittlerweile besteht beliya aus einem Team von 2 Gründerinnen, 2 festen Mitarbeiterinnen in Vollzeit, 2 Teilzeit Mitarbeiterinnen und 3-4 Aushilfen und Praktikanten. Mit einer guten Mission lässt sich einfach viel mehr bewegen!

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Tipp 5: Nachhaltige Supply Chain

Für unsere erste Kollektion waren wir wirklich lange auf der Suche nach hochwertigen Materialien und wurden schließlich bei Europas größten Designerherstellern fündig: edles Rindsleder, dass die Qualitätskontrolle auf Grund eines Mangels, zum Beispiel eines kleinen Risses, nicht besteht oder für Kollektionen nicht mehr verwendet wurde.

Diese neu- und hochwertigen Materialien sind sehr edel und wir kombinieren sie teils mit Print- und Unistoffen aus Überschüssen von namhaften Designer-Kollektionen zum Beispiel Chanel, Burberry und Valentino. Diese sind daher limitiert: je nachdem, wie viel Material es gibt, sind die Modelle teilweise schon ausverkauft.

Es ist nicht schwer von dem zu profitieren, was andere Firmen aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr verwerten können. Gerade als Startup, bei dem die Auflagezahlen nicht so groß sind, hilft das beim Aufbau des Unternehmens.

Tipp 6: Erst mal in einem Markt Fuß fassen

Stehen Konzept und Produkt, beginnt der Verkauf. Zu Anfang haben wir ausschließlich über unseren eigenen Online-Shop www.beliya.de/shop verkauft. Mittlerweile haben wir auch in einigen größeren Online-Shops ein Produktangebot. Ein weiteres Standbein für den Vertrieb ist der stationäre Handel, mittlerweile auch in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden.

Natürlich ist es schwer, direkt von Beginn an sein Produkt weltweit auf den Markt zu bringen. Daher empfehlen wir, sich erst einmal auf einen Markt und einen einzigen Verkaufskanal zu konzentrieren.

Tipp 7: Wettbewerbe und Förderungen nutzen

Unser Marketingbudget ist als Startup, wie bei den meisten von euch, begrenzt. Aber das Gute ist, dass es für soziale Projekte oft Förderungen und Wettbewerbe gibt und genau diese haben wir für unser Marketing genutzt.

Anfangs waren wir Stipendiaten im social impact start, ein Förderprogramm für Sozialunternehmen, das uns beispielsweise kostenfreie Büroräume und Coaching von SAP-Mitarbeitern bot. In diesem Jahr waren wir für den Darboven Idee Förderpreis für Unternehmerinnen nominiert und damit prominent auf brigitte.de platziert.

Im letzten Jahr gewannen wir den HAMMA Award, den Hamburger Marketingpreis, und konnten so eine Plakatkampagne in ganz Hamburg realisieren. Das schafft zusätzliche Bekanntheit und Aufmerksamkeit. In diesem Jahr gewannen wir außerdem den nexxtmedia Preis, der mit Werbeflächen im öffentlichen Nahverkehr dotiert ist.

Diese Maßnahmen hätten wir alleine nicht finanzieren können, somit ist es empfehlenswert, die gebotenen Möglichkeiten an Wettbewerben wahrzunehmen.

Fazit:

Lasst euch von eurem Leben und euren bisherigen Jobs inspirieren! Wo sind die Nischen auf dem Markt, in die Ihr euer Unternehmen perfekt platzieren könnt? Nutzt bestehende Ressourcen, denn das spart nicht nur Geld, sondern ist auch nachhaltig. Und nachhaltig ist nicht nur gut für die Umwelt sondern wird auch immer häufiger von Kunden in die Kaufentscheidung mit einbezogen.

Schöpft alle Möglichkeiten, die uns (Mompreneur-)Startups gegeben sind, um bekannter zu werden. Danke an Mompreneurs für die Veröffentlichung dieses Gastartikels. Das hilft uns natürlich auch sehr!

Bilder: Andrea Noelle & Annika Busse, beliya.de

 

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