Was du wissen musst, wenn du einen Online-Shop eröffnen willst

Was du wissen musst, wenn du einen Online-Shop eröffnen willst

MomPreneur zu sein bedeutet für viele von uns neben dem Balanceakt zwischen Familie und Business, immer auf’s Neue auch Widerständen und Unverständnis zu trotzen. Sei es, dass der eigene Partner nicht an die „fixe Idee“ glaubt oder dass die Freunde keine Ahnung haben, was du da eigentlich den ganzen Tag machst. Es ist nicht immer einfach, trotzdem weiterzumachen. Besonders wenn es um vermeintliche „Lieberhaberei“ geht halten sich Verständnis und Ermutigung von außen manchmal in Grenzen: „Ach, du machst Kinderkleidung? Da gibt es doch schon so viele Anbieter“ oder „Du willst einen Online Shop eröffnen? Damit kann man noch Geld verdienen?“

Aber dann, wenn es läuft, ist häufig alles anders! Plötzlich applaudieren alle und die Bedenken von einst weichen Bewunderung und Unterstützung. Bis es soweit ist kannst du Geschichten von anderen Frauen lesen, die vielleicht schon einen Schritt weiter sind als du. Lass‘ dich davon nicht entmutigen sondern schöpfe Kraft und Motivation daraus, wie andere ihren Weg gegangen sind und bewiesen haben, dass man mit Fleiß und Willen viel erreichen kann.

Im September 2015 haben wir ein MomPreneurs-Porträt von Sylvia Haag veröffentlicht. Sylvia hatte sich mit Dreams4Kids selbstständig gemacht – einem Online Versandhandel für ausgefallene Baby- und Kinderartikel. Eine tolle Idee, aber auch ein umkämpfter Markt, in dem eine punktgenaue Positionierung unerlässlich ist. Wir wünschten Sylvia von Herzen den Durchbruch und fragten uns natürlich auch: Würde sie es schaffen?

Jetzt, etwas mehr als ein halbes Jahr später, wollten wir es genau wissen! Was hatte sich bei Sylvia getan? Wir haben sie gefragt und waren nicht nur überrascht sondern haben uns riesig für Sylvia gefreut. Lies hier, warum:

Liebe Sylvia, was hat sich seit deinem Porträt auf MomPreneurs.de im September 2015 für dich verändert?

Genau genommen alles! Die kompletten Umstände, unter denen ich arbeite, haben sich verändert! Dreams4Kids ist inzwischen vom eigenen Keller in neue Geschäftsräume gezogen, mein Team ist auf zwei Mitarbeiterinnen gewachsen und wir haben endlich ein eigenes, großes Lager. Das war dringend nötig, denn die Aufträge werden immer mehr! Auf besonders beliebte Produkte mussten die Kunden oft länger warten. Das ist jetzt vorbei. Auch ich selbst bin in anderen Umständen, sozusagen. Im Juli kommt unser zweites Kind zur Welt 🙂

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Wie gehst du mit all den Rollen um, die du hast: Mutter, Unternehmerin, Frau, Ehefrau, Freundin und jetzt auch noch Chefin und Schwangere und wer hat bei euch zuhause den Hut auf?

Ich gewöhne mich schon mal an den Schlafmangel 😉 Im Ernst, klar bin ich manchmal überfordert, natürlich leidet die eine oder andere Beziehung und manchmal bin ich einfach nur müde. Aber ich freue mich riesig auf unser Wunschkind Nummer 2 und bin mir sicher, dass ich auch das schaukeln werde. Gerade bin ich dabei, die Menschen um mich herum in meine Aufgaben einzulernen. Wenn das Baby da ist, will ich zumindest für kurze Zeit alle Fäden aus der Hand geben und mich um den kleinen Neuankömmling kümmern. Zuhause hat derzeit unsere kleine Tochter den Hut auf. Sie ist drei Jahre alt und zeigt uns ganz genau, was jetzt gerade am wichtigsten ist.

Auf welche Ressourcen greifst du zu, die für dich und dein Business wirklich einen Unterschied machen?

Meine wertvollste Ressource ist mein Mann. Er ist Teil des Dreams4Kid-Teams, berät mich, ermuntert mich und gibt mir immer wieder sehr wertvolles Feedback. Und, ja, manchmal resigniert er vor meinem Sturkopf. Denn am Ende vertraue ich heute auf mein eigenes Bauchgefühl. Das Gefühl dafür, was Kindern und Erwachsenen gerade gefällt, ist das wichtigste Hilfsmittel auf das ich zurückgreife. Dieses Gespür ist meiner Meinung nach besser als jede Marktanalyse, jede App oder jeder Ratgeber.

Feedback ist sehr wertvoll, du kannst dir daraus mitnehmen, was du brauchst. Besonders wenn du gerade in deinem eigenen Saft schmorst und nicht ganz gerade sieht. Aber letztendlich steckt niemand in deiner Haut und entscheiden musst du selber.

Gab es auch Rückschläge? Was würdest du heute anders machen?

Natürlich gab es auch Rückschläge und Fehler. Mein Mann sagt heute noch: Weißt du eigentlich, was du da getan hast? Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, meine Festanstellung aufgegeben und meine komplette Abfindung in diese Idee gesteckt. Das würde ich so nicht noch einmal machen und immer empfehlen, in der Elternzeit oder neben einem Angestelltenverhältnis anzufangen. Denn die laufenden Kosten sind vom ersten Tag an da, die Gewinne aber nicht.

Anfangs lief das Geschäft natürlich noch nicht und ich habe gedacht, ich müsste eine teure Agentur um Hilfe bitten. Mir wurde dort zum Beispiel geraten, in teure Magazinwerbung zu investieren und andere Maßnahmen zu ergreifen, die mich ordentlich Geld gekostet, aber nicht nach vorne gebracht haben. Die Schwäbin in mir hat getobt, als die Rechnung kam. Aber wie heißt es so schön: aufstehen, Krone geraderücken, weiterlaufen.

Dann habe ich alle guten Ratschläge über Bord geworfen und nur noch auf meinen eigenen Bauch gehört! Von da an ging es endlich bergauf. Du musst am Anfang keine Expertin sein und auch nicht zwingend Experten an deiner Seite haben. Wichtig ist, dass du dir Feedback und Vorschläge zwar einholst, sie aber immer auch selber bewertest und letztlich selber entscheidest, was für dich und dein Business am besten ist.

Zum Glück habe ich wenig Zeit, um Fehlern lange nachzutrauern. Ich lerne aus ihnen und mache sie nicht wieder. Und wenn mein Mammi-Teil des Tages beginnt, dann versuche ich, von meiner Tochter zu lernen und einfach im Moment zu leben.

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Ab wann war Dreams4Kids profitabel und was waren die wirklichen Umsatzbringer?

Es brauchte etwas Geduld! Den Durchbruch hat eigentlich das Weihnachtsgeschäft gebracht. Nachdem die Zusammenarbeit mit der Agentur ein Flop war verteilte ich überall Flyer mit Gutscheincodes. Ich steckte sie an Autos auf Vergnügungspark-Parkplätzen fest und legte sie überall aus, wo ich nur vorbeikam. Es waren wirklich sehr viele Flyer!

Ich suchte mir darüber hinaus relevante Blogs und begann, mit den Bloggerinnen zusammen zu arbeiten. Das funktionierte nicht nur großartig, es machte auch Spaß! Aus einigen Kontakten sind sogar Freundschaften entstanden. Allerdings hatte ich auch hierbei meine Learnings: Nicht immer passte alles gut zusammen und es gab an ein paar Stellen Missverständnisse über den Ablauf gemeinsamer Aktionen. Daher würde ich immer eine schriftliche Vereinbarung empfehlen, damit am Ende nicht eine Seite falsche Erwartungen aufbaut und die Aktion letztlich im Sande verläuft.

Amazon und Ebay waren ebenfalls sehr wichtig für mich, um meinen Shop bekannt zu machen. Die Einarbeitung war kein Hexenwerk, das habe ich alleine gemacht, die Reichweite war für mich aber unverzichtbar.

Darüber hinaus habe ich Mami-Parties gegeben und habe meine Spielsachen vor Ort in abendlichen Mütterrunden angeboten. Das hat unheimlich gut funktioniert, allerdings wurde mir das irgendwann zu viel, besonders parallel zum Weihnachtsgeschäft und zur Schwangerschaft. Die Nachfrage ist aber nach wie vor da und ich will nicht ausschließen, dieses Konzept auch wieder aufzugreifen.

Was braucht man ganz genau, wenn man einen Online-Shop eröffnen will?

Ein Startkapital ist sehr wertvoll, um sich ein kleines Warenlager aufbauen zu können. Da ich von Technik überhaupt keine Ahnung habe, habe ich das Shopsystem Oxid auf Empfehlung gewählt und habe Geld in einen Programmierer investiert. Wichtig für mich war, dass ich ein System wähle, das gängig genug ist, um nicht von einer Person abhängig zu sein. Oxid Know how gibt es wie Sand am Meer, so bin ich auf der sicheren Seite.

Wie gesagt, ich würde nicht noch einmal so unvorbereitet anfangen, sondern lieber die Elternzeit nutzen oder die Freizeit neben der Festanstellung investieren. Die Krankenkassenbeiträge und alle anderen Kosten laufen ab Tag 1, der Shop garantiert nicht.

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Wann war der Moment gekommen, dass es dir alleine zu viel wurde und du wusstest, dass du Unterstützung brauchst?

In der Weihnachtszeit in meinem Kellerraum habe ich Pakete verpackt ohne Ende. Die Schwangerschaft schritt voran und mir war klar: So geht es nicht mehr weiter. Also habe ich mir eine Mutter ins Geschäft geholt, die ich aus dem Rückbildungskurs kannte. Sie packt für mich Pakete und kümmert sich um das Lager und ich bin sehr dankbar, dass ich sie habe, sie macht das toll! Nicht nur, dass sie mir Arbeit abnimmt, sie bringt auch viele neue Ideen mit rein und bereichert Dreams4Kids auf diese Weise.

In 10 Wochen kommt das Baby und bis dahin muss ich meine Vertretung soweit komplett organisiert haben, dass die Familie wieder für eine Weile ganz im Vordergrund stehen kann. Es ist an der Zeit, ein paar Fäden aus der Hand zu geben und mich jetzt auch einmal daran zu erfreuen, was ich schon alles geschafft habe.

Wo und wann kommen dir deine Ideen?

Erst zuhause, wenn ich runterfahre, kommen viele neue Ideen. Oder auch auf Messen. Im Tagesgeschäft ist es schwer, weil es ein sehr schnelles Geschäft ist! Wenn ich ein Produkt finde, muss ich es sofort kaufen, schnell online stellen, schnell verkaufen und schnell versenden. Das ist das A und O, damit die Komkurrenz nicht schneller ist als ich. Beim Letzten kauft einfach niemand mehr.

Welche EINE einzige Aktion empfiehlst du den anderen MomPreneurs diese Woche, um ihrem Traum von einem erfolgreichen Business ein Stückchen näher zu kommen?

Wichtiger als eine Werbeaktion oder ähnliches finde ich, dass man daran denkt, dass es viele Frauen gibt, die erfolgreich Mutter und Selbständige sind. Das macht Mut. Und den braucht man um den Hürdenlauf zwischen den vielen Ratschlägen, Vorwürfen und Aufgaben zu schaffen. Nach allem, was in den vergangenen Monaten passiert ist, bin ich überzeugt, dass Erfolg auch von Willensstärke abhängt. Und man muss bereit sein, auf ein bisschen Schlaf zu verzichten 🙂

Vielen Dank für deine Zeit, Sylvia, und alles Gute für dich, deine Familie und dein Business!

Bilder: Sylvia Haag

2 Comments
  • Catharina König
    Posted at 08:03h, 03 Mai Antworten

    Danke für den Post und die ehrlichen Worte. Gerade zum Shopsystem – überlege seit gut einem Jahr, es auch mit einem Shop zu wagen. das hat mir wieder Mut gemacht!

  • Martin
    Posted at 16:21h, 14 Dezember Antworten

    Hallo,

    ich als Vater mit zwei Kindern habe letztes Jahr meinen Onlineshop aufgebaut. es war eine sehr anstregende Zeit aber es hat sich mehr als gelohnt. Ich habe beim aufbau meines Shops allerdings viel Hilfe von einem Bekanten in Sachen Online Marketing bekommen. SEO ist ein wichtiges Thema. Weiter hast du die Möglichkeit Vergleichsportale auf deiner Seite einzubauen. Kannst dich ja mal im Netz umschauen.

    Alles gute Martin

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