6 Maßnahmen für kleines Marketing Budget

6 Maßnahmen für kleines Marketing Budget

Wir Gründerinnen haben vieles: Drive, Überzeugungskraft, Willensstärke und eine zumeist richtig tolle Geschäftsidee. Aber an einer Sache fehlt es uns eigentlich immer: An Geld. Die Frage, die ich mir mit jiipii jeden Tag stelle: Wie kann ich trotz sehr kleinem Geldbeutel möglichst vielen Eltern von jiipii erzählen.

Seit 15 Jahren bin ich im Marketingbereich unterwegs, entwickle Konzepte und Ideen, um Marken groß und bekannt zu machen. Ob aus meiner ehemaligen New Yorker Agentur, die ich 10 Jahre geführt habe oder als Marketingverantwortliche in verschiedenen Unternehmen. Ich hatte immer ein (mehr oder weniger) prall-gefülltes Budgetkonto, um die angestrebten Marketingziele zu erreichen.

Mit der Gründung von jiipii hat sich allerdings so einiges geändert. Wir haben ein tolles Produkt, von dem die ganze Welt, oder zumindest die relevanten Zielgruppen, erfahren soll. Und da wir unser gesamtes Budget in die Entwicklung der Plattform stecken, bleibt für Marketing nicht mehr viel übrig.

„Welche Möglichkeiten kann ich ausschöpfen, um möglichst viele potentielle Kunden mit nahezu null Marketing Budget zu erreichen?“

Diese Frage habe ich gemeinsam mit 10 Gründerinnen auf der her-Career Messe diskutiert. Herausgekommen sind 6 ganz konkrete Marketingmaßnahmen, die die Bekanntheit deiner Produkte steigert. Und das ganz und gar ohne finanzielle Mittel.

1. Positionierung

Stellt man GründerInnen die Frage „Was ist für dich Marketing?“ zählen die meisten verschiedene Kommunikationsmaßnahmen auf. Social Media, PR, Anzeigen und Co. sind natürlich ein sehr wichtiger Teil des Marketing Mixes. Aber eben nur ein Teil.

Bevor du dir Gedanken um die Kommunikation machst, musst du zuerst den strategischen Fahrplan festlegen, nach dem du dich mit deinen Kommunikationsmaßnahmen richtest. Wenn du deine Positionierung, deine Identität und deinen USP eindeutig bestimmst, zahlt jede deiner Maßnahmen auf deine Marke ein. Ja genau, Marke. Denn was du jetzt machst ist, deinen Markenkern zu bestimmen!

Für was stehst du? Welches Problem löst du besser als alle anderen? Welchen Mehrwert bietest du deinen Kunden, faktisch und emotional? Welche Werte zeichnen deine Marke aus? Wenn du deine Marke inhaltlich sauber definierst hast, wird es dir auch nicht mehr schwer fallen, einen Investorenpitch, einen Salespitch oder Kommunikationsmittel daraus abzuleiten. Jede einzelne Marketingmaßnahme stärkt somit den Wert deiner Marke.

Wenn du Fragen hast zur Entwicklung deiner Marke, melde dich gerne bei mir. Ich schicke dir dann meinen 10-Stufen Plan zu, mit dem ich jiipii und schätzungsweise 30 andere Marken entwickelt habe.

2. Pre-Launch Marketing

Du hast noch kein Produkt? Prima. Jetzt ist die richtige Zeit, dir über deine Marketingaktivitäten Gedanken zu machen. Vielleicht denkst du noch linear: Erst das fertige Produkt, dann das entsprechende Marketing. Die wahren Marketingprofis machen es allerdings anders: Marketing und Produktentwicklung gehen Hand in Hand, finden also parallel statt.

Das Tolle daran? Als Gründer haben wir kein Geld für teure Marktforschung. Brauchst du auch gar nicht. Denn du hast deine Community. Und es wird wohl keine treueren und begeisterten Kunden geben als die, die Produkt gemeinsam mit dir – durch Feedback und Rückfragen – entwickelt haben. Durch die Nähe zum Markt minimierst du zudem das Risiko, dass dein Produkt von der Zielgruppe nicht akzeptiert wird. Und das, ohne das du dafür Geld in die Hand nehmen musst.

3. Social Media Strategie

Du hast ein tolles Produkt und nun soll die ganze Welt davon erfahren? Aber wie anstellen ohne Budget? Viele Gründer denken sofort an Social Media. Zu recht. Aber Achtung, Social Media ohne eine wirkliche Strategie bringt nicht viel und kostet sehr viel Zeit. Das musste ich auch lernen. Zwischen Facebook, Twitter, You Tube, Instagram, Pinterest und, und, und kann man sich sehr leicht verzetteln und wertvolle Stunden verschwenden. Deswegen macht es Sinn, dir von Anfang an eine Social Media Strategie zurechtzulegen.

Zunächst einmal solltest du wissen, welche Ziele du mit den Social Media Kanälen verfolgst und welche Zielgruppe du ansprichst. Dann legst du die entsprechenden Kanäle fest und erstellst einen Redaktionsplan, in dem du die Inhalte definierst. Dafür kannst du Organisationstools wie Hootsuite verwenden, mit denen du die Posting-Einträge für die verschiedenen Plattformen planen und direkt schalten kannst.

Wenn du dich in den Social Media Kanälen kaum oder gar nicht auskennst, dann macht es sicherlich Sinn, dich anfänglich von einem/r Social Media Manager/in beraten zu lassen. Ansonsten heißt es hier: trial & error. Und außer Zeit und Kreativität kostet es dich, solange du keine Anzeigen schaltest, erst einmal nichts.

4. Content, Content, Content

Social Media macht vor allem dann Sinn, wenn du eigenen Content hast, mit dem du eure User begeistern kannst. Dazu brauchst du einen Blog. Der kann entweder für sich alleine stehen oder ist Teil deiner Website. Aber Achtung, dein Blog muss ständig mit aktuellem, relevanten Content befüllt werden, sonst bringt er dir nicht viel.

Hast du allerdings tollen Content, dann hilft dir ein Blog, deine Website in den Google Suchergebnissen nach vorne zu bringen. Du kannst relevanten Content aber auch als Gastbeitrag auf befreundeten Blogs platzieren und mit Bloggern kooperieren. Auch die Art der Blogbeiträge kannst du frei bestimmen.

Videos und Podcasts sind von Natur aus einfacher zu konsumieren als reine Textblogs. Aber eben auch aufwendiger zu produzieren. Für was du dich letztendlich entscheidest, hängt von deinem Produkt. deiner Dienstleistung beziehungsweise deinem Blogthema ab.

5. PR

Was ist eigentlich PR? PR ist deine Öffentlichkeitsarbeit und kostet dich, außer deine Zeit, gar nichts! PR kann zum Beispiel die Pressearbeit mit Redaktionen sein. Hier geht es darum den Redakteuren eine möglichst spannende Geschichte an die Hand zu geben.

Aber Achtung – Werbebotschaften sind hier ein absolutes No-Go. Wenn du einen Redakteur von dir begeistern kannst, dann lesen im Idealfall auch andere Redakteure über dich und fragen dich für weitere Beiträge an. PR ist aber auch, wenn du einen Vortrag hältst, ein Interview gibst oder einen Gastartikel schreibst.

PR Arbeit bedeutet – ja, Arbeit. Kontakte müssen aufgebaut und gepflegt werden. Das kann sehr zeitintensiv sein. Einfacher geht es mit einer guten PR Agentur, aber dafür reicht Gründern das Budget natürlich meistens nicht aus.

6. Netzwerk

In meinen Augen gibt es kein wichtigeres Marketingtool als dein Netzwerk. Und damit meine ich nicht, dass du jetzt deine Kontakte aufforderst, täglich deine Facebookseite zu teilen. Ein gutes Netzwerk liefert dir ehrliches Feedback, unterstützt dich bei deinem Vorhaben und spendet aufbauende Worte, wenn es mal nicht so läuft wie es laufen sollte.

Ein Netzwerk funktioniert nach einem sehr simplen Prinzip: erst geben, dann nehmen! Wenn du dich vernetzt dann frage dich, wie du einen Mehrwert für dein Netzwerk darstellen kannst. Wie andere von dir profitieren können. Hilf‘ deinem Netzwerkpartner ganz konkret. Mit Ideen, Tipps, Feedback. So wirst du dir nach und nach ein Netzwerk von Menschen aufbauen, die für dein Business bald unverzichtbar sein werden.

Gründermarketing ohne viel Geld ist also möglich, braucht aber Leidenschaft, Engagement und Zeit. Also liebe Gründerin, Ärmel hoch und loslegen. Ich wünsch’ uns allen viel Erfolg 🙂

Zur Autorin

Angela B. Lehmann ist Gründerin von jiipii.de, einem Wunsch- und Geschenkportal für Kinder. Als MomPreneur berät die Mutter eines 8-jährigen Sohnes außerdem Unternehmen, Start-Ups und Solopreneure in den Bereichen Markenentwicklung und digital Branding auf www.angelablehmann.de. Seit mehr als 15 Jahren begleitet Angela Unternehmen bei ihren individuellen Marketing-Herausforderungen. Zunächst als Inhaberin einer Markenagentur in New York und San Francisco, zuletzt als Marketingverantwortliche in verschiedenen Unternehmen.

Titelbild: CC0 Public Domain, Pixabay

4 Comments
  • Linda-Tabea Vehlen
    Posted at 09:18h, 10 November Antworten

    Ist alles soweit richtig, bis auf Punkt 2 – das ist – mit Verlaub – absoluter Humbug. Niemand sollte im Vorfeld seine Idee preisgeben und es gibt wohl kaum jemanden bei gutem Gründer-Verstand, der sein Produkt mit Leuten auf Facebook & Co. entwickelt, abgesehen von einem Team. Hier wird meiner Meinung nach ein Tipp lanciert, der nicht stimmig und zudem realitätsfern ist. Zudem wirkt er „über`s Knie gebrochen“ – nur eben, damit ein „Tipp“ da steht. Gerade in Zeiten von Ideenklau und „nachmachen“ ist von diesem Ratschlag abzuraten. Und: wie Marketing für ein (noch) nicht vorhandenes oder/und noch nicht fertig gestelltes Produkt funktionieren soll, bleibt wohl das Rätsel der Autorin…!

    • Udo Butschinek
      Posted at 09:48h, 12 November Antworten

      Mit Verlaub: Aber Ihre Aussage zeugt davon, dass Sie noch im marketingmäßigen Mustopf stecken.

      Die Geheimniskrämerei hilft Ihnen gar nicht, weil Sie kein Feedback Ihrer Zielgruppe bekommen.

      Sie haben Angst, dass Ihnen jemand eine Idee klaut? Dazu zwei Dinge:

      1. Rufen Sie 100 Unternehmen an und erzählen Sie denen von Ihrer Idee. Nach einem Jahr schauen Sie, wer das umgesetzt hat. Die Zahl der Firmen, die Ihnen die Idee „geklaut“ hat, wird bei 0 liegen. Und zwar zum Einen, weil zwischen der Idee und dem Umsetzen ein tiefer Graben ist. Und zum Anderen, weil die meisten mit Ihrem Tagesgeschäft genug zu tun haben.

      2. Das ist nur dann ein Problem, wenn Sie nur eine Idee haben.

  • Maria Lengemann
    Posted at 10:08h, 15 November Antworten

    Ich denke, mit dem Pre-Launch-Marketing ist die Schleife vor Veröffentlichung gemeint, mit der auf Produkte hingewiesen, diese geteasert, noch etwas Feedback eingeholt wird, sodass der letzte Feinschliff erfolgen kann. Alternativ ist es auch möglich, eine oder zwei Hände voll Nutzer in eine Beta einzubeziehen, um weiteres Feedback zu erhalten.

    Es soll ja kein „hier ist die Idee, was haltet ihr davon“-Post sein, das muss dann schon geschickter anstellen. Aber generell ist ein Pre-Marketing definitiv sinnvoll, aber auch – da muss ich Linda in gewisser Weise zustimmen – gefährlich. Gefährlich ist es aber nur, wenn man es eben falsch anstellt, dann könnte die Wirkung entweder komplett verpuffen oder aber die Idee geklaut werden. Macht man es richtig, ist Pre-Marketing die Vorarbeit für den eigentlichen Launch und ein perfektes Marketing-Instrument.

    Liebe Grüße
    Maria

  • Kathrin Franck
    Posted at 08:20h, 27 November Antworten

    Den Punkt 2 kann ich aus der Praxis sehr unterstreichen und möchte direkt ein Beispiel liefern: Mit http://fairwindel.de (FB: fair family) sind wir genau diesen Weg gegangen. Wir haben Stand heute noch kein Produkt marktreif und gleichzeitig mehrere Hundert Newsletter-Subscriber und sehr hohe Reicheweite auf Facebook (trotz niedriger Fanzahl).

    Wir sind mit der „Idee“ nach draußen gegangen, waren neugierig darauf, was sich Mütter und Väter von einer Windel wünschen bzw. wie sie eine Windel beurteilen werden (sprich: woran sie uns messen werden). Der letzte Aufruf drehte sich um die Frage nach einer konkreten Test-Variante – und wir waren baff über das, was dann passierte 🙂

    Ideenklau ist für uns hier kein Problem, wir legen ja nicht das „Rezept“ offen, sondern eben die Idee. Wer es besser realisieren kann als wir: nur zu liebe Leute!

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