Warum klein bleiben der nächste große Schritt für (m)ein Unternehmen ist

MomPreneurs Gastbeitrag Company of One

Warum klein bleiben der nächste große Schritt für (m)ein Unternehmen ist

Als ich 2013 meine Agentur für Geschichte gründete, hatte ich eine klare Vorstellung, wie sie sich in wenigen Jahren entwickeln sollte. Ich erwartete spannende Aufträge für große Unternehmen und jährlich steigende Umsätze. Und ich sah damals schon die Fixkosten wachsen: durch mehrere Mitarbeitende, ein schickes Büro an guter Adresse und ein eigenes Firmenauto. Zumindest hatte ich während meines Betriebswirtschafts-Studiums gelernt, dass sich genauso erfolgreiche Unternehmen entwickeln.

In den folgenden Jahren arbeitete ich hart, die großen Aufträge und steigenden Umsätze kamen, auch das Firmenauto, ein tolles Büro und Mitarbeitende. Einige Jahre begleitete mich die Vorstellung von der ständig wachsenden Agentur, getreu dem Motto: immer höher, schneller, weiter – eine richtige Tretmühle. Aber seit dem letzten Herbst fühlte sich dieses Bild immer weniger richtig an für mich. War es wirklich das, was mich bis zur Pensionierung leiten sollte?

Anfang dieses Jahres fiel mir dann zufällig Paul Jarvis‘ Buch „Company of One. Why Staying Small ist he Next Big Thing for Business“ in die Hände. Der Titel machte mich extrem neugierig – er schien das zu versprechen, was ich bisher selbst nicht in Worte fassen konnte: Dass statt ständigem Wachsen auch klein bleiben eine mehr als gute Option ist! Und weil ich inzwischen überzeugt bin, dass es vielen anderen Mompreneurs genauso geht wie mir, möchte ich dieses Buch gerne hier vorstellen.

Das Company of One-Konzept

Was passiert mit Unternehmen, die wachsen, wachsen und immer mehr wachsen? Sie brauchen ständig komplexere Systeme, um dieses Wachstum zu handeln. Das heißt: Plötzlich gibt es mehr Bürokram zu erledigen. Dafür braucht es mehr Mitarbeiter und natürlich Geld. Und das wiederum macht die Organisation des Unternehmens aufwändiger, die Komplexität wächst – von mehr Verantwortung und Stress gar nicht zu reden! So greift die Mehr-und-mehr-Krankheit im Unternehmen immer stärker um sich.

Dem setzt Paul Jarvis sein Company of One-Konzept entgegen. Zur Klärung: Mit „Company of One“ meint er nicht nur Solopreneure, sondern auch Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern, also kleine Teams.

Jarvis selbst ist als Designer seit vielen Jahren beruflich selbständig – er weiß also, wovon er spricht. Für ihn gibt es als Unternehmer nur ein Endziel: Und das ist, klein zu bleiben und berufliche Herausforderungen zu lösen, ohne dabei im herkömmlichen Sinne zu wachsen. Manchmal ist es für ihn sinnvoll, bei einzelnen Projekten mit anderen Freelancern zusammenzuarbeiten. Personal einzustellen kommt für ihn aber nur dann in Frage, wenn es gar nicht anders geht.

Das Radikale an seinem Ansatz: Indem er dem Drang, immer mehr zu wachsen, widersteht und sich unter Umständen sogar ein oberes Einkommens-Limit setzt, passiert es nicht, dass sein Unternehmen nur um des Wachsens willen wächst. Damit behält er auch Freiheit: Er kann aussuchen, mit welchen Kunden er zusammen arbeitet und welche Produkte oder Dienstleistungen er anbietet. Dabei gilt: Je besser er seinen Kunden zuhört, ihre Wünsche versteht und auf sie eingeht, desto wertvoller ist seine Arbeit für diese Unternehmen. So macht er sie zu echten Fans, die sich dauerhaft ans Unternehmen binden.

Und indem er dem Drang, immer mehr zu wachsen, widersteht, setzt er sich auch dafür ein, dass er sein Business rund um sein Leben baut und nicht umgekehrt. Er fragt sich daher regelmäßig: Ist diese Maßnahme wirklich notwendig für mein Unternehmen? Oder fordert sie viel mehr an Zeit, Mitarbeitenden, Geld oder Stress, als ich selbst bereit bin zu investieren oder in Kauf zu nehmen?

Mit zahlreichen praktischen Tipps und  anhand konkreter Beispiele anderer UnternehmerInnen führt Paul Jarvis unterhaltsam an das Thema heran. Als Erkenntnis wichtige bleibt, wie bereichernd es sein kann, auch als KleinunternehmerIn erfolgreich zu sein und sich zu fühlen.

Customer success is the cornerstone of a profitable company of one. Paul Jarvis

Welche Mompreneurs dieses Buch lesen sollten

Das Buch empfehle ich sowohl Mompreneurs, die daran denken, sich beruflich selbständig  zu machen und dabei überlegen, wie sich ihr Unternehmen entwickeln soll. Es ist aber auch für Mompreneurs geeignet, die – so wie ich – schon einige Jahre am Markt sind und spüren, dass es für sie und ihr Unternehmen eine Alternative zum Höher-Schneller-Weiter-Zwang gibt.

Meine drei Key Learnings

Und was sind die wichtigsten Punkte, die ich für mich als Unternehmerin und mein eigenes Business mitnehme?

#1 Bewusst für ein kleines Unternehmen entscheiden!

Früher galt die Regel: Wer ein Unternehmen gründete, startete erst einmal klein, um es dann fortlaufend in die Höhe zu treiben. Und blieb ein Unternehmen dauerhaft klein, dann war das ein Zeichen dafür, dass es nur mäßig erfolgreich war. Jarvis beobachtet inzwischen eine neue Sorte von Unternehmern, die sich frei von diesem Denken machen: sie starten klein und halten ihr Unternehmen auch klein. Nicht, weil sich kein Erfolg für ihr Business einstellt, sondern weil es ihre bewusste Entscheidung ist, wie viel Zeit und Energie sie in ihre berufliche Selbständigkeit stecken möchten.

Mir hilft dieses neue Denken extrem, vor allem zukünftig im Gespräch mit meinen Kunden und bei Netzwerk-Veranstaltungen: Dass mein Unternehmen klein ist, ist eine bewusste Entscheidung und nicht ein Hinweis, dass es nicht gut läuft. Das fühlt sich für mich extrem stimmig an! 😊

For companies of one, the question is alswas what can I do to make my business better?, instead of what can I do to grow my business larger? Paul Jarvis

#2 Besser statt größer werden!

„Customer happiness is the new marketing!“ sagt Jarvis. Wenn deine Kunden spüren, dass du dich als Unternehmerin um sie kümmerst, dann bleiben sie dir treu und erzählen anderen davon. Und das ist der Weg, wie kleine Unternehmen große ausbooten. Als kleines Unternehmen ist es viel schwieriger, bei der Logistik oder kleinen Preisen mit großen Konkurrenten mitzuhalten. Als kleines Unternehmen ist es viel einfacher, auf persönlicher Ebene zu konkurrieren – indem du die viel zitierte extra Meile für deine Kunden gehst und sie wie Menschen und nicht nur wie Nummern behandelst.  Das Ziel kleiner Unternehmen sollte es also sein, bestehende Kunden so glücklich wie möglich machen und weniger nach neuen potenziellen Kunden zu schielen – denn das bedeutet wieder Wachstum, weil der Aufwand zur Kundengewinnung steigt. Die große Herausforderung liegt also darin, deinen bestehenden Kunden noch besser zu helfen.

Diese Fragen leiten mich zukünftig:

  • Wie kann ich meine Prozesse besser machen?
  • Wie kann ich meine Dienstleistungen besser machen?
  • Gibt es digitale Tools, die mir dabei helfen?

 #3 Wissen teilen, um Expertin zu sein!

Viele Konsumenten entscheiden sich für größere Unternehmen, wenn es ans Kaufen geht. Damit fühlen sie sich auf den ersten Blick sicherer: Denn sie vertrauen darauf, dass mehr Leute und Infrastruktur im Hintergrund für sie da sind, wenn sie Unterstützung brauchen. Kleine Unternehmen sind da also im Nachteil. Sie können nur damit punkten, dass sie in ihrer Branche Experte sind.

Wenn also deine Kunden das Gefühl haben, dass du die richtigen und besten Antworten auf ihre Probleme lieferst, dann kaufen sie eher bei dir. Je öfter du also deine Meinung kundtust und ihnen gute Tipps gibst, desto mehr wird dich deine Zielgruppe als Expertin wahrnehmen. Schreib also Blog-Artikel und Bücher, halte Vorträge und Workshops.

Und was ist mit der Angst, dass dann alle anderen deine Ideen klauen? Denk daran: Ideen sind erst dann etwas wert, wenn man sie umsetzt. Wichtig ist also, dass du deine Ideen schneller umsetzt und teilst als die Konkurrenz: Das verbessert den Cashflow und bring Feedback, um die Idee noch besser zu machen.
Und das ist gerade für uns Frauen besonders wichtig: Wir warten ja oft, bis wir noch dieses und jenes gelernt haben, um endlich mit unserer Meinung und unseren Ideen nach außen zu gehen. Davon müssen wir uns frei machen!

Diese Fragen leiten mich zukünftig:

  • Welches Wissen kann ich teilen, um mich als Expertin zu positionieren?
  • Wie komme ich ins Umsetzen meiner Ideen, anstatt sie nur mit mir herumzutragen?
  • Gibt es digitale Tools, die mir dabei helfen?

Und welche Fragen leiten dich zukünftig? Ich freue mich auf deine Kommentare!

 

Facts zum Buch

Paul Jarvis: Company of One. Why Staying Small is the Next Big Thing for Business

Erscheinungsdatum: Januar 2019

Sprache: Englisch

Umfang: 272 Seiten

als gebundenes Buch, Taschenbuch, Ebook oder Hörbuch erhältlich

 

Zur Autorin

Friederike HehleFriederike Hehle ist verheiratet und Mutter eines 8-jährigen Sohnes. Sie ist Historikerin und Betriebswirtin und arbeitete mehrere Jahre im Marketing einer Tourismusdestination und einer Bank, bevor sie sich 2013 mit ihrer Geschichtsagentur historizing selbständig machte. Seither recherchiert und erzählt sie leidenschaftlich gerne die Geschichte(n) von Unternehmen und berät sie, wie sie sie klug im Marketing einsetzen können. Konkrete Tipps zum Umsetzen gibt sie auch in ihrem Blog www.historizing.at/blog.

 

4 Comments
  • Britta Schmidt von Groeling
    Posted at 07:15h, 15 März Antworten

    Vielen Dank für den anregenden Artikel! Ich bin selbst eine 1-Woman-Show mit einem großen Freelancer-Netzwerk und möchte auch genau das bleiben. Die große Flexibilität, die sich mir dadurch bietet, schätze ich sehr.

    • Friederike Hehle
      Posted at 09:25h, 19 März Antworten

      Das Netzwerk ist auf jeden Fall essentiell,, Britta! Ich erlebe oft, dass ich beim Austausch – und wenn es nur ein Telefonat ist – mit anderen Freelancern auf neue, geniale Ideen komme. Das macht mein Business besser und lässt mich persönlich wachsen!

  • Joseann Freyer-Lindner
    Posted at 19:26h, 15 März Antworten

    Toller Tipp, vielen Dank! Ist irgendwie erleichternd, diese Wachstumsidee hat mich immer abgeschreckt. Auch das kenne ich sehr gut: @Wir warten ja oft, bis wir noch dieses und jenes gelernt haben, um endlich mit unserer Meinung und unseren Ideen nach außen zu gehen.

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