Warum Journalisten wie Kinder sind – und gute PR wie Erziehung

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Warum Journalisten wie Kinder sind – und gute PR wie Erziehung

Wer Kinder erzieht, lernt täglich dazu. Und sollte genau dieses Wissen ruhig mal anbringen, wenn es um die Öffentlichkeitsarbeit fürs eigene Unternehmen geht. Marike Frick erklärt, wie man Journalistenaugen zum Leuchten bringt und warum Mütter die bessere PR machen.

1. Nichts geht über eine gute Geschichte

Auch die anstrengendsten Kinder können richtig handzahm sein: wenn sie eine spannende Geschichte hören. Mit halb geöffnetem Mund sitzen sie dann da, starren uns schweigend an und wollen unbedingt, unbedingt wissen, wie es weitergeht. Deshalb legen wir uns voll ins Zeug: erzählen was von Drachen und Rittern und kühnen Heldinnen, hier noch ein Cliffhanger, da eine unerwartete Wendung…

Warum nur machen wir es mit Journalisten nicht genau so? Warum erzählen wir ihnen etwas von Spitzen-Produkten und innovativen Dienstleistungen? Das interessiert die kein bisschen! Wann sie dagegen hin und weg sind: wenn sie eine gute Story hören. Und ja, es gelten die gleichen Prinzipien: Es braucht einen Helden, Prüfungen, gewonnene Schlachten, auch mal eine Niederlage – und am Ende sollte, bitte sehr, ein Happyend kommen. Damit sie danach auch ruhig einschlafen können. Sozusagen.

2. Wenn’s langweilig wird, ist Sense

Der Geschichte geht die Luft aus? Laaaaangweilig! Die Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes langweiligen Erzählungen gegenüber liegt bei minus zehn. Da hilft kein „Jetzt bleib doch bitte sitzen“ oder „Warte, gleich kommt noch was Spannendes!“ Kinder sind grausame Richter, sie fällen innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde ihre Entscheidung: Interessiert mich/Interessiert mich nicht.

Auch Journalisten kann man nicht überreden. Was sie nicht so richtig, richtig anlacht, wird einfach weggeklickt. Die dreihundertfünfzigste Pressemitteilung über ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Event, eine Auszeichnung? Laaaaaangweilig! Unternehmer-Mütter wissen es besser: Sie bauen ganz schnell noch eine Überraschung aus ihrem echten Leben ein, irgendetwas völlig Unerwartetes, und hauen ihr Gegenüber von den Socken, damit die Augen wieder ganz, ganz groß werden.

3. Nur klare Ansagen funktionieren

„Geh dir die Hände waschen. Aber richtig, mit Seife.“ – „Das Spielzeug gehört in die Kiste.“ – „Zieh die Schuhe an.“ Wir haben gelernt, mit unseren Kindern in einfachen Sätzen zu kommunizieren. Einfach, weil nix anderes ankommt.

Genau das sollten wir auch mit Journalisten tun! „Hier: mein Themenvorschlag.“ – „Guck mal: Ich bin Expertin auf diesem Gebiet.“ – „Ich könnte dazu eine starke Meinung beisteuern. Interessiert?“ Wer so formuliert (na gut, etwas ausgefeilter als „Guck mal“ darf es dann schon sein), der hat Journalisten auf seiner Seite. Denn die haben echt genug vom Blablablubb ausschweifender Pressemitteilungen. Sie wollen auf den Punkt formuliert bekommen, was der Absender ihnen zu bieten hat. Und zwar am Besten schon in der Betreffzeile.

Sonst haben sie leider keine Lust, zuzuhören und sind gerade sowas von beschäftigt mit dieser anderen Sache…

4. Die Aufmerksamkeitsspanne ist ziemlich begrenzt

„Aber wieso willst du denn nicht mehr malen, du hast doch gerade so schön…?“ Wenn Kinder Beschäftigungs-Hopping betreiben, kann einen das in den Wahnsinn treiben. Da hatte man gerade gedacht, toll, man könnte sich direkt mal einen Moment auf den Balkon setzen und einen Kaffee trinken…!

Aber nein, schon ist das Malzeug wieder uninteressant geworden und Kind schleicht ziellos umher/ärgert das Geschwisterkind/hat sich das Abrollen von Toilettenpapier zur neuen Aufgabe erkoren.

Die Parallele zu Journalisten? Auch sie haben nur eine begrenzte Begeisterungs-Kapazität. Es gab gerade einen Gammelfleisch-Skandal? Vegetarismus-Thema super! Gammelfleisch-Skandal ist schon zwei Wochen her? Nee, also das ist ja jetzt echt schon von vorgestern…

Für die Themen, die wir unterbringen wollen, oder zu denen wir etwas zu sagen haben, bieten sich oft nur bestimmte Zeitfenster. Etwa, wenn eine Debatte im Gang ist. Wenn etwas nachrichtenrelevantes passiert ist. Wenn ein Jahrestag ansteht. Ein Gesetz diskutiert wird. Es gibt auch Zeitfenster mit den Namen „Ostern“, „Bikini-Saison“ oder „Gute Vorhaben“. Damit kann man an bestimmten Tagen im Jahr gern kommen. Im Rest des Jahres dann aber bittesehr nicht mehr. Wer also durchdringen will, sollte das Timing beachten.

Sonst wird eben doch lieber das Klopapier abgerollt. So im übertragenen Sinne jetzt mal.

5. Wir müssen uns echt was einfallen lassen

Einfach nur Bauklötze aufeinander stapeln is’ irgendwann nicht mehr. Ausgefeiltere Beschäftigungsvorschläge müssen her. Da wird gestempelt und geschnitzeljagt und gekickt was das Zeug hält, um den Nachwuchs bei Laune (und auf Linie) zu halten.

Komm deshalb einem Journalisten nicht mit „Bald ist Weihnachten“, weil du eifrig Punkt vier umsetzen möchtest! Denn hier kommt Punkt eins wieder ins Spiel: Laaaangweilig! Schreib bitte nix, was die Redakteure schon hunderttausend Mal gehört haben (siehe Bauklötze). Lass Allerwelts-Einleitungen und Gemeinplätze weg. Ja, bald ist Weihnachten. Und? Wann geht’s jetzt los mit dem, was der Journalist nicht schon vorher wusste?

Dass du ein Zeitfenster nutzen solltest, heißt nicht, dass du den Journalisten lang und breit auf dieses Fenster hinweisen sollst. Du sollst es nur nutzen. Um deinen kreativen/ungewöhnlichen/spannenden Themenvorschlag anzubieten. Ein guter Zeitpunkt allein reißt es leider noch nicht!

Denk einfach öfter mal daran, wie du es mit deinem Kind machen würdest: Und dann: Setz es einfach um. Sei klar und direkt, sprich ohne Umschweife dein Anliegen an. Lass dir etwas einfallen, anstatt eine 0-8-15-Pressemitteilung rauszuschicken (zum Beispiel eine spannende, persönliche Geschichte oder Expertenwissen, das dem Journalisten gerade jetzt richtig gut passen könnte). Und achte vor allem auf einen guten Zeitpunkt, um die optimale Aufmerksamkeit zu erhalten.

Du wirst merken: Mütter können eindeutig die besseren PR-ler sein!

Zur Autorin

Marike_rundMarike Frick ist Journalistin (u.a. für DIE ZEIT, Mare, Brigitte Woman und Impulse) und Medien-Coach und hat für dich eine ultimative „Ich bringe mein Unternehmen in die Medien“-Checkliste zusammengestellt.

Auf ihrem Blog „Was Journalisten wollen“ zeigt sie Unternehmern, wie man in die Medien kommt, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen. Nebenbei hat sie zwei Söhne und einen Ehemann. Sie trägt ihre Mecklenburgische Heimat im Herzen, lebt aber derzeit in Genf.

Wir sind wie immer gespannt auf dein Feedback oder deinen Kommentar unten! Wir sehen uns in der MomPreneurs Facebook-Gruppe oder auf einem der nächsten MomPreneurs Netzwerk-Treffen.

Bilder: Titelbild: Winnerlana/Shutterstock.com, Autorenbild: Marike Frick

5 Comments
  • Julia Miske
    Posted at 09:20h, 26 Juli Antworten

    Liebe Marike,
    Dein Beitrag motiviert und macht richtig Laune! Danke dafür!
    Grüsse, Julia

  • Dani
    Posted at 10:17h, 26 Juli Antworten

    Marike bringt es auf den Punkt, was Journalisten wollen. Bloß kein Blabla, sondern klare, spannende Ansage, warum ausgerechnet Du Momprenieur spannend für Andere bist, dass über Dich geschrieben wird.

    Zwei Ergänzungen:
    Zur Geschichte …. Was in diese Geschichte mE. gehört, ist ein Anriss des Problems, dass Du als Unternehmerin (=Heldin) mit Deinem Business löst.

    Zu bedenken ist auch der Zeitpunkt, wann eine Pressemitteilung losgeschickt wird. Wenn gerade die Welt brennt, wegen eines Anschlags z.B., haben (Tageszeitungs)Redakteure oft nicht viel Zeit, sich auf anderes einzulassen. Dann besser noch ein paar Tage warten und dann los. Im Magazinjournalismus ist das sicherlich etwas anders.

  • Nora Hodeige
    Posted at 11:47h, 16 August Antworten

    Liebe Marike,
    ein toller Text, danke dafür! Der Vergleich ist genial und außerdem kann ich es mir so gut merken.“was würde ich zu meinem Kind sagen“ yeah 😀 muss gleich mal ran an diese schon ewig vor mir her geschobenen Mails mit meiner Geschichte:)
    Ich denke allerdings, dass es einigen Müttern (Frauen) geht, wie mir auch: wir „verkaufen “ uns einfach so ungern und denken doch immer noch zu häufig: Ach, das will doch keiner lesen! Doch! Das will sicherlich Jemand lesen, es muss nur der Richtige sein 😉 suche also jetzt passende Zeitschriften raus und dann wird ein bisschen erzählt 🙂 Danke!

  • Meike Sturat
    Posted at 08:40h, 20 September Antworten

    Liebe Marike,
    schöner Vergleich. Dem kann ich als langjährige PR-Beraterin und Mutter nur zustimmen. Mit diesen Beispielen kann ich auch meinen Kunden deutlich machen, wie der (Presse-) Hase läuft. Ich poste deinen Beitrag gerne weiter.
    Danke,
    Meike

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