Warum du die Erwartungen an dich selbst managen musst

Warum du die Erwartungen an dich selbst managen musst

Mit Erwartungshaltungen ist es so eine Sache. Meistens sind sie irgendwie mit all den verschiedenen „Ichs“ verknüpft, die du als Mompreneur so in dir vereinst: Mit dem Mama-Ich, dem Partnerin-Ich, dem Tochter-Ich, dem Freundin-Ich, dem Karriere-Ich und all den anderen. Im Interesse deiner eigenen geistigen Gesundheit und um eine ernsthafte Persönlichkeitsspaltung zu vermeiden tust du gut daran, diese Erwartungen so zu managen, dass sie dir nicht permanent den Tag versauen und du nicht jeden Abend mit dem Gedanken ins Bett gehst: „Macht euren Sch*** doch einfach alleine!“

Wenn wir all diesen verschiedenen Rollen in uns gerecht werden wollen, können wir nicht immer gleich dorthin laufen, wo einer am lautesten schreit und dort versuchen, das „Feuer zu löschen“! Das würde eine innere Zerrissenheit mit sich bringen und das Gefühl, an allen Fronten zu „kämpfen“ und doch nirgendwo genug zu schaffen. Und das kann wirklich richtig unzufrieden machen und dich dazu bringen, dass du gar nicht mehr handlungsfähig bist. Du kapitulierst einfach vor all den Dingen, die erledigt werden wollen.

Der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat hierzu ein schönes Modell entworfen, das Modell des „Inneren Teams“. Es ist ein großartiges Mittel, um dir darüber klar zu werden, welche Rollen und Erwartungshaltungen in dir wirken und wie du dafür sorgen kannst eine Lösung zu finden, mit der alle soweit zufrieden sind.

Das Innere Team

Um dein Inneres Team zu verstehen, kannst du zunächst einmal alle Stimmen, die du in dir wahrnimmst, aufschreiben. Zum Beispiel: „Der Haushalt muss laufen, die Einkäufe erledigt sein, daran führt kein Weg vorbei“ oder „Ich muss unbedingt meine beste Freundin anrufen, das ist mal wieder seit 3 Wochen überfällig“ oder „Ich habe soviel Arbeit, da muss ich auch jedes Wochenende und abends ran“.

Stell‘ dir vor, jede dieser Stimmen ist ein Team-Mitglied in einer Mannschaft, das versucht, SEINE Priorität auf jeden Fall durchzubekommen – ohne Rücksicht auf Verluste! So eine Mannschaft blockiert sich selber und kann nicht gewinnen. Damit aus der Mannschaft wieder ein richtiges Team wird, das auch gewinnen kann, ist der Trainer gefragt und das bist du selber. Höre dir einmal alle Meinungen in Ruhe an, lass‘ alle aussprechen und ihre Anliegen und Bedenken detailliert schildern und finde dann Kompromisse, mit denen das ganze Team leben kann. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Die Haushaltsstimme

„Der Haushalt muss laufen und die Einkäufe erledigt sein, daran führt nunmal kein Weg vorbei! Und das kostet richtig Zeit“ Stimmt, aber vielleicht heißt das weder, dass alles perfekt sein muss noch, dass du alles alleine machen musst? Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Kinder in einem konstruktiven Gespräch gebeten werden, ihre Zimmer ab sofort selber aufzuräumen, der Mann einige Aufgaben mehr übernimmt, die Einkäufe so vorgeplant werden, dass du nicht mehr jeden Tag für 3 Einzelteile losfahren musst und endlich eine Haushaltshilfe gesucht wird? „Das könnte gehen, versuchen wir’s!“ Und schon hast du die erste Stimme wieder im Boot!

Die Partnerstimme

„Ich mache einfach viel mehr als er, ich habe überhaupt keine Unterstützung und der Haussegen hängst trotzdem oft schief“ Denkst du wirklich, dass dein Partner gegen dich ist? Vielleicht fühlt er sich angesichts deiner ganzen anderen Rollen nur zurückgesetzt und außen vor? Wie wäre es, wenn du ihm etwas mehr Aufmerksamkeit schenkst, für das, was er tut einfach mal wieder „Danke“ sagst? Du könntest 3 Abende die Woche arbeiten, dafür aber die anderen 4 Abende bewusst den Rechner auslassen und die Zeit mit deinem Partner oder deinen Freunden verbringen oder dir selber etwas Gutes tun und daraus neue Kraft schöpfen? „Ja, vielleicht liegt es auch ein wenig an mir!“ Damit hast du die zweite Stimme eingefangen.

Die Freundinstimme

„Ich habe viel zu wenig Zeit, meine Freundschaften zu pflegen“ Wie wäre es, wenn du deine Freundinnen anrufst, wenn du mal wieder drei Stunden bügelst oder die Wäsche zusammenfaltest? Oder während du am Fußballfeld stehst, weil die Kinder Training haben? Einmal im Monat könntest du zur Ladies-Night ins Kino gehen oder eine Mittagspause mit deiner Freundin einplanen, oder deine Freundin auf ein Glas Wein abends zu dir nach Hause einladen, wenn die Kinder schlafen und der Mann auf Geschäftsreise ist? Es könnte ein Ritual werden, über dass du nicht andauernd nachdenken musst. „Das klingt gut!“ Die dritte Stimme ist an Bord.

Die Businessstimme

„Ich habe so endlos viel zu tun, dass ich morgens, mittags, abends und am Wochenende arbeiten sollte, aber das geht nicht mit Familie!“ Richtig, das geht nicht. Aber wie wäre es, wenn du deine Prioritäten ganz klar ordnest und jede Woche nur die Dinge machst, die dich wirklich zu deinem großen Ziel führen und nichts anderes? Beschäftigt sein kann man immer, aber ist das auch immer zielführend? Wenn du etwas weniger perfektionistisch wärest, dafür aber mehr schaffst? Vielleicht kannst du das Wochenende für deine Familie freihalten und dich über Zeitfenster freuen, die sich plötzlich doch zum Arbeiten auftun (Kind beim Kindergeburtstag, bei einer Freundin, bei Oma, im eigenen Zimmer, Mann beim Sport…). „Das klingt nach einem Plan!“ Das Team ist besänftigt.

Fazit

Du kannst es nicht immer allen deinen Erwartungen zu 100% recht machen, aber du kannst versuchen Strategien zu entwickeln, wie alles gut zusammenspielt. Wenn dann meistens alles gut läuft wird es dich auch nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen, wenn es mal nicht klappt. Du nimmst dann einfach wieder die Position des Trainers ein und überlegst zusammen mit deinem Team, an welchen Schrauben ihr drehen könnt, damit alle zusammenspielen anstatt sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.

Welche Erwartungen an dich selbst kennst du und wie gehst du damit um? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Titelbild: bikeriderlondon/Shutterstock.com

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